DER MANN 2013: Arbeits- und Lebenswelten – Wunsch und Wirklichkeit

von MANNdat

Wie tickt der Mann

Die Zeitschrift „Bild der Frau“ hat anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums das Institut für Demoskopie Allensbach mit der Studie „DER MANN 2013: Arbeits- und Lebenswelten – Wunsch und Wirklichkeit“ (Kurzbezeichnung: Wie tickt der Mann?) beauftragt. Ziel der Studie war es nach eigenem Bekunden, „das Rollenverständnis von Männern, ihre Sicht auf die Arbeitsteilung der Geschlechter, auf Partnerschaft, Beruf und Familie und auf die Gleichberechtigung der Frau zu beleuchten“. MANNdat hat sich „Wie tickt der Mann?“ genauer angesehen und eine Reihe von interessanten Details gefunden, die wir hier in einer Zusammenfassung der 85-seitigen Studie vorstellen wollen.

Einleitung

Die Studie „DER MANN 2013: Arbeits- und Lebenswelten – Wunsch und Wirklichkeit“ (in der Presse kurz und plakativ mit „Wie tickt der Mann?“ bezeichnet) beschäftigt sich mit dem Thema Gleichberechtigung. Natürlich in erster Linie aus Sicht der Frauen. Immerhin wurde diese Studie im Auftrag von „Bild der Frau“ angefertigt. Bemerkenswert für MANNdat ist, dass immerhin 76% der befragten Männer angaben, zumindest „ab und zu“ auf Grund ihres Geschlechts gegenüber Frauen diskriminiert zu werden und lediglich 29% weitere Bevorzugungen von Frauen unterstützen, während aber 64% der Männer meinen: „Es reicht mit der Gleichberechtigung!“. In der letzteren Gruppe enthalten sind 6% der Männer, die die Ansicht vertreten, Männer würden gegenüber Frauen in der Gesellschaft diskriminiert. Ein unerwartet und bemerkenswert hoher Anteil in Anbetracht stets anderslautender Aussagen aus Politik und Medien.

Dennoch: Propaganda wirkt. Der Glaube, dass es Frauen schwerer im Leben haben als Männer, wird vor allem von Frauen (42%) geteilt (Schaubild 1 in der Studie). Aber auch 29% der Männer glauben daran. Dabei zeigt die um knapp 6 Jahre niedrigere Lebenserwartung als Gesamtindikator, dass Männer im Lauf des Lebens mehr und größere Probleme zu bewältigen haben als Frauen, mehr Stress ausgesetzt sind (daraus resultierend auch ein höheres Suchtverhalten zeigen) und die Probleme der Jungen, Väter und Männer weitestgehend bagatellisiert oder sogar ignoriert werden. Das beginnt damit, dass Jungen in der Schule für gleiche Kompetenzen schlechtere Noten erhalten und bei gleichen Noten seltener eine Gymnasialempfehlung, was jedoch nicht als Jungendiskriminierung interpretiert wird, sondern als „Erfolgsstory“ der Mädchen. Und das Interesse endet bei solchen Themen wie männlichen Formen der Depression, obwohl die Rate an vollendeten Selbstmorden in allen Altersklassen deutlich höher ist als bei Frauen. Ganz besonders hoch bei Jungen in der Pubertät.

Darauf geht die Studie „Wie tickt der Mann?“ nicht ein, was jedoch bei dem Auftraggeber auch nicht anders zu erwarten war. Dennoch wäre die Auseinandersetzung mit den oben genannten Problemen wichtig, wenn man sich für eine tatsächliche Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern einsetzten will.

Für die Studie wurde ein repräsentativer Querschnitt von 947 Männern im Alter von 18 bis 65 Jahren, sowie, als Vergleichsgruppe, 546 altersgleiche Frauen befragt.

Hier nun die unserer Meinung nach besonders interessanten Fakten:

Beruflicher Erfolg

Zwar ist Frauen seit 1998 der Erfolg im Beruf wichtiger geworden (Schaubild 2; 1998: 42% auf 2013: 47% Zustimmung). Dennoch liegt das Interesse an beruflichem Erfolg deutlich unter dem der Männer (2013: 59%) und die Differenz zwischen den Geschlechtern hat sich seit 2005 nicht mehr verändert (Differenz: 12%).

Noch deutlicher stellt sich die Situation dar, wenn man die Altersstufen berücksichtigt, für die eine Karriere überhaupt eine reale Option ist: Die untersuchten Altersgruppen von 18 bis 34 und von 35 bis 49 Jahren. Bei der ersten Altergruppe beträgt die Differenz zwischen Männern und Frauen schon 14 Prozent (Schaubild 4), bei der zweiten Altersgruppe sogar 16 Prozent.

Wie dieses deutlich geringere Interesse zusammen mit zahlreichen, für eine Karriere ungeeigneten Studienabschlüssen und den Familien- und Teilzeitpräferenzen von Frauen im Zusammenhang mit der geringeren Zahl von Frauen in Führungspositionen steht, wurde nicht untersucht.

Kinderwunsch

Der Kinderwunsch ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen über die vergangenen 15 Jahre gestiegen. Betrachtet man den Zeitraum 1998 bis 2013, ist der Anstieg bei Männern (von 44% auf 52%) geringfügig größer als bei Frauen (von 58% auf 65%). Die Differenz zwischen den Geschlechtern hat sich aber nur um einen Prozentpunkt verringert (1998: 14%; 2013: 13%), betrachtet man nur den Zeitraum ab 2005, ist er sogar wieder größer geworden (2005: 12% Differenz, 2013: 13% Differenz).

Hier fehlen bedauerlicherweise Untersuchungen über den Einfluss der zahlreichen Väterbenachteiligungen auf das Ergebnis, beziehungsweise deren Bekanntheit, denn viele Männer erkennen die Probleme auch heute erst, wenn sie unmittelbar davon betroffen sind.

Persönliche Präferenzen von Männern und Frauen

Sehr interessant sind die persönlichen Präferenzen (Schaubild 3), die Frauen und Männer im Leben haben. An den ersten beiden Stellen stehen für beide Geschlechter die Gesundheit (m: 81%, w: 87%) und eine glückliche Partnerschaft (m: 74%, w: 83%).

An der dritten Stelle unterscheiden sich die Interessen schon: Bei Frauen ist es die Familie (74%) und bei Männern die finanzielle Unabhängigkeit (70%).

Am größten sind die Differenzen zwischen Männern und Frauen bei Äußerlichkeiten („gepflegtes Äußeres“ m: 30%;w: 49%), beim Kinderwunsch (m: 38%, w: 53%) und beim beruflichen Erfolg (m: 44%, w: 32%).

Wunsch und Wirklichkeit

Unterschiede gibt es auch in der Wahrnehmung dessen, was Frauen von Männern wollen und was Männer glauben, dass Frauen es von ihnen wollen (Schaubild 7). Die Unterschiede sind teilweise recht groß. Allerdings fehlt hier eine wichtige Vergleichsgröße – die umgekehrte Frage: Das, was Männer von Frauen erwarten und was Frauen glauben, dass Männer das von ihnen wollen. Es steht zu vermuten, dass auch da die Diskrepanzen erheblich wären.

Bemerkenswert sind auch die Widersprüche, die in den Forderungen der Frauen stecken: So wollen 60 Prozent der Frauen, dass der Mann die Familie ernährt, aber nur 52 Prozent wollen, dass ihm der Beruf wichtig ist. Gleichzeitig verlangen aber 69 Prozent der Frauen, dass er sich „viel“ um die Kinder kümmert und 66 Prozent erwarten, dass er „viele Aufgaben“ im Haushalt übernimmt. Woher soll er aber dafür die Zeit nehmen, solange er sich für die Familie im Beruf aufopfern soll – in erster Linie wunschgemäß mit einer Vollberufstätigkeit? So wundert es nicht, dass mehr als ein Drittel der Männer (35%) meinen, die Rollenerwartungen der Frauen seien nicht zu erfüllen.

Völlig unberücksichtigt bleibt in der Studie „Wie tickt der Mann?“ die Frage, warum Frauen das Recht haben sollen, von Männern die Erfüllung ihrer Wünsche fordern zu dürfen, ohne sich verpflichtet zu fühlen, im gleichen Maße auf die Wünsche und Forderungen ihrer Männer einzugehen.

Lebenswelten

Nur 8 Prozent der jungen Frauen und 20 Prozent der jungen Männer trauern alten Rollenverteilungen nach (Schaubild 17). Und nur 7 Prozent der Männer meinen, sie könnten keine Männer mehr sein, weil das gesellschaftlich nicht anerkannt würde (Schaubild 18). Interessant ist an dieser Stelle, dass es sich hierbei mehrheitlich um Männer zwischen 40 und 50 Jahren handelt, die überdurchschnittlich häufig besonders viele Aufgaben im Haushalt und der Familie übernehmen und auch bei der Berufstätigkeit zurückstecken, um mehr Zeit für die Familie zu haben.

Es scheint so, als würden diese Männer von ihren Frauen und ihrem gesellschaftlichen Umfeld massiv genötigt, sich permanent und bis zur Selbstaufgabe zu verbiegen. Es verwundert nicht, dass diese Männer auch ein überproportional hohes Suchtrisiko aufweisen.

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