NRW-Programm zur Bekämpfung von Gewalt gegen Männer – Tabubruch oder fünfte frauenpolitische Kolonne?

von MANNdat

Bild: stockbroker 123RF
Wird sich die neue Landesregierung in Nordrhein-Westfalen jetzt erstmalig auch um die Gewalt gegen Männer kümmern?

2015 hatte die FDP-Fraktion im Landtag von NRW den Antrag gestellt, endlich auch die Belange von Jungen und Männer in der Geschlechterpolitik regelhaft zu berücksichtigen. MANNdat hatte als Experteneinrichtung dem Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation die Zustimmung zu dem Antrag, die Anliegen von Jungen, Vätern und Männer stärker in den Blick zu nehmen, empfohlen. Hier geht es zur Expertise von MANNdat zum Antrag der Fraktion der FDP.

Der in der Beschlussfassung geforderte Prüfauftrag zur Schaffung von Präventionsangeboten für gewaltbetroffene Männer wurde von MANNdat wie folgt befürwortet:

Eine Vielzahl von Forschungsergebnissen belegt seit Langem, dass Männer und Frauen zu in etwa gleichen Teilen Täter und Opfer häuslicher Gewalt sind. Es bedarf deshalb der Einführung einer adäquaten Hilfestruktur für von Gewalt betroffene Männer. Ob dies im Rahmen des Landesaktionsplanes zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen am besten geschehen kann, sollte geprüft werden. Ein eigenständiger Landesaktionsplan zur Bekämpfung der Gewalt gegen Jungen und Männer sollte auch in Betracht gezogen werden.

Was seinerzeit unter der Fuchtel der rot-grünen Landesregierung noch abgeschmettert wurde, wird nun umgesetzt. In einer Pressemitteilung der aktuellen Landesregierung heißt es:

Erstmals in Nordrhein-Westfalen nimmt eine Landesregierung die Situation von Gewalt betroffenen Jungen und Männern sowie Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, Transsexuellen und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTTI) umfassend in den Blick. …

Ministerin Scharrenbach: ‚Auch Jungen und Männer können Opfer von häuslicher Gewalt werden. Bisher gibt es jedoch kaum gesicherte Erkenntnisse dazu. Das soll sich zukünftig ändern. Erstmals wird sich in Nordrhein-Westfalen eine Landesregierung detailliert mit diesem Thema beschäftigen und im Zusammenspiel mit Hilfsorganisationen Lösungen erarbeiten. Dazu erstellt die Landesregierung derzeit einen Landesaktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Jungen, Männer und LSBTTI. Ziel des Landesaktionsplans ist es, Maßnahmen zur Prävention und nachhaltigen Bekämpfung von Gewalt gegen Jungen, Männer und LSBTTI zu beschreiben und Impulse zur Schaffung von Rahmenbedingungen zu setzen, die umfassenden Schutz und eine bedarfsgerechte Unterstützung von Betroffenen gewährleisten. Der Landesaktionsplan soll 2021 dem Landtag vorgelegt werden. Zur Entwicklung und Durchführung der Initiativen zum Schutz von Jungen und Männern vor Gewalt sind im Landeshaushalt 2018 und 2019 jeweils 100.000 Euro veranschlagt.‘

Im Juli dieses Jahres wurde bereits die Landeskoordinierungsstelle zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Männer eingerichtet. Die Landeskoordinierungsstelle fungiert als Bindeglied zu den in Nordrhein-Westfalen tätigen Beratungsstellen bei häuslicher Gewalt. Anders als in den übrigen Bundesländern umfasst ihr Aufgabengebiet beide Geschlechter.

Ministerin Scharrenbach erweckt hier den Anschein, als wäre Gewalt gegen Jungen und Männer – auch im häuslichen Bereich – jetzt erst plötzlich entdeckt worden, dabei weiß das Ministerium aufgrund unserer Expertise schon seit mindestens 3 Jahren, dass es dafür genug Belege gibt. Lässt man diese vorgespielte Ahnungslosigkeit beiseite, ist dieser Ansatz hoffentlich ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Natürlich muss man skeptisch bleiben. Die Geschlechterpolitik hat Männern schon viel versprochen und wenig gehalten. Siehe hierzu gerade aktuell unsere Beiträge zu Flunker-Giffey. Immerhin werden 200.000 € bereitgestellt. Es bleibt abzuwarten, wie diese Mittel verwendet werden. Werden sie wirklich bereitgestellt, um Jungen und Männern zu helfen, oder sollen sie ähnlich wie bei der Finanzierung des Bundesforums Männer durch das Frauenministerium dazu dienen, eine fünfte frauenpolitische Kolonne zu finanzieren, die männliche Opfer marginalisiert und Einrichtungen, die männliche Opfer thematisieren, diskreditiert? Wie viel davon kommt Jungen und Männern zugute und wie viel LSBTTI und wie viel ist in Wirklichkeit nur verkappte Frauenförderpolitik? Wir werden sehen und berichten.

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Lesermeinungen

  1. Von Dr. Bruno Köhler

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  2. Von Markus Albrecht

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