Depressionen bei Vätern

von Manndat

Depressionen bei Vätern – Studien

Ohne Frage, Deutschland ist auch unter der Ampelkoalition immer noch ein väterfeindliches Land und die Bundesregierung macht daraus keinen Hehl.

Wir haben vor einiger Zeit eine Liste von Vätern aufgeführt, die bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegangen sind, um Menschenrechte unmittelbar oder mittelbar zu erhalten. Der EGMR hat dabei Verletzungen gegen folgende Artikel der Konvention zum Schutz der Menschenrechte festgestellt:

Artikel 6: Recht auf ein faires Verfahren
Artikel 8: Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens
Artikel 13: Recht auf wirksame Beschwerde
Artikel 14: Verbot der Benachteiligung (wg. des Geschlechts bzw. Ehestandes)

Nach einer OECD-Studie von 2021, die die Bezahlung und Ansprüche der Väter im Rahmen der Elternzeit berücksichtigt, liegt Deutschland nur im Mittelfeld von insgesamt 45 Ländern. Die großzügigste Väterregelung in der EU gibt es in Luxemburg, gefolgt von Spanien und Island. In Luxemburg haben Väter nach der OECD-Studie Anspruch auf das Äquivalent von 19 voll bezahlten Arbeitswochen, in Deutschland sind es nur 5,7 Wochen.

Neuere Studien aus verschiedenen Ländern zeigen, dass vor allem Väter im Beruf benachteiligt werden. Die Vereinbarkeitsprobleme von Familien und Beruf bei Vätern werden jedoch in Deutschland, wie in vielen anderen Ländern in Europa, von der Politik bislang größtenteils ignoriert.

Laut EU-Richtlinie 2019/1158/EU müssen Väter (bzw. zweiter Elternteil) zehn Tage bezahlten Urlaub anlässlich der Geburt ihres Kindes zugesprochen bekommen. Die EU-Mitgliedsstaaten hätten diese Regelung schon in nationales Recht umsetzen müssen. Aber obwohl im Koalitionsvertrag der Vaterschaftsurlaub niedergeschrieben war, spielt die Bundesregierung aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP auf Zeit, denn die Ampel-Koalition setzt die Richtlinie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer noch nicht um. Stattdessen jammert sie lieber über die angeblich mangelnde Care-Arbeit von Vätern in Familien.

Und apropos FDP. Bis zur Bundestagswahl war die FDP die einzige der großen Parteien, die ein Wechselmodell als Regelfall forderte. Aber nach der Bundestagswahl herrscht auch bei der FDP plötzlich das Schweigen im Walde, was die Stärkung der Väterrechte angeht. Es scheint so, als wäre das Ganze nur ein Väternepp gewesen.

Doch die unabhängige Wissenschaft ist mittlerweile weiter. Denn mittlerweile ist nicht nur die Schädlichkeit von Eltern-Kind-Entfremdung für das Kind wissenschaftlich belegt. Weltweit liegen mehr als 1.300 Studien vor, welche die induzierte Eltern-Kind-Entfremdung und deren Auswirkungen auf die Kinder ausführlich beschreiben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat unter dem Diagnoseschlüssel QE 52.0 „Caregiver-child relationproblem“ die Eltern-Kind-Entfremdung in die weltweit gültigen Diagnoseleitfäden aufgenommen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Eltern-Kind-Entfremdung als Kindesmissbrauch klassifiziert.

Vielmehr gibt es mittlerweile auch Studien, die die Auswirkungen von Vater-Kind-Beziehungen auf Väter untersuchen. So berichtet z.B. die Neuroscience News, eine Plattform für Nachrichten aus dem Wissenschaftsbereich:

Eine neue Studie von Forschern des Karolinska Institutet in Schweden zeigt, dass Väter eher depressiv werden, wenn ihre Kinder noch klein sind und die elterliche Beziehung zu ihnen in den ersten Monaten nach der Geburt schlecht ist. Die Ergebnisse wurden im Journal of Affective Disorders veröffentlicht.

„Wir haben als Gesellschaft viel zu gewinnen, wenn wir die Beziehungen zwischen den Eltern in den frühen Phasen der Elternschaft stärker unterstützen“, sagt Michael Wells, außerordentlicher Professor am Department of Women’s and Children’s Health, Karolinska Institutet. „Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, besteht darin, die Väter im Säuglings- und Kleinkindalter auf ihren Status als Co-Eltern zu untersuchen und bei Bedarf Interventionen zur Verbesserung der Zusammenarbeit und Kommunikation rund um das Kind anzubieten.“

[…]

Die Ergebnisse zeigen, dass zwei Drittel der Väter, die im ersten Jahr nach der Geburt eine besonders schlechte Beziehung zu ihren Kindern hatten, wahrscheinlich an Depressionen leiden werden, wenn ihre Kinder etwas älter werden. Umgekehrt ist die Wahrscheinlichkeit, dass Väter mit besseren Werten bei der gemeinsamen Elternschaft weniger Depressionssymptome aufweisen, größer. Die Forscher fanden auch Zusammenhänge zwischen Depressionen in früheren Stadien und schlechteren gemeinsamen Elternschaftsbeziehungen in späteren Jahren.

„Wir fanden bidirektionale Zusammenhänge zwischen Depressionen und schlechter Co-Elternschaft, d. h. diese beiden Faktoren scheinen sich gegenseitig in beide Richtungen zu beeinflussen. Das stärkste Anzeichen für die Entwicklung einer Depression war jedoch eine schlechte gemeinsame Elternschaft in der frühen Kindheit und nicht umgekehrt“, sagt Michael Wells.

Der Schweizer Blick schreibt zu Depressionen bei frischgebackenen Vätern:

„Psychische Erkrankungen sind die häufigste Gesundheitskomplikation nach einer Geburt – und doch spricht man viel mehr über den plötzlichen Kindstod“, sagt die promovierte Psychologin Fabienne Forster, die zur psychischen Gesundheit von Eltern forscht. „Wir sprechen von einer sehr hohen Anzahl betroffener Personen, die unentdeckt und unbehandelt bleiben – besonders bei Vätern. Das hat massive volkswirtschaftliche Folgen.“

Durch die Pandemie hat sich die psychische Belastung junger Familien verstärkt. Bei dem Verein Postpartale Depression Schweiz meldeten sich dieses Jahr fünfmal so viele Väter wie 2019. Beim ersten Schweizer Väterberater, dem in Bern ansässigen Remo Ryser (50), haben sich die Beratungen seit seinem Start 2019 vervierfacht. „Nicht nur Mütter, auch Väter brauchen manchmal emotionalen Support“, so Ryser.

[…] „Es gibt immer noch dieses Männerbild des Vaters, der das Geld heimbringen und stark sein muss – dabei sind wir auch nur Menschen, keine Roboter“, sagt [der junge Vater] Marcelo Vicente. Väter würden nie gefragt, wie es ihnen geht, ob sie Hilfe brauchen, sagt Fabienne Forster. „Und wenn sie sich schlau googlen wollen, steht da nur: Mutter, Mutter, Mutter.“

[…] Betroffene leiden oft unter Schlafstörungen oder Rückenschmerzen, erkennen darin aber keine psychosomatischen Probleme – oder ignorieren sie. Wie oft bei psychischen Erkrankungen gibt es immer noch eine hohe Schwelle, sich Hilfe zu holen. Väterberater Remo Ryser erstaunt dies nicht: „Sprechen Männer über ihre Überforderung, gelten sie als Weichei.“ Marcelo Vicente erhielt nach seinem Zusammenbruch nicht nur Unterstützung: „Gewisse Personen meinten: Es war ja kein Herzinfarkt, also alles nicht so tragisch.“ Männer hätten daher gelernt, ihre Gefühle der Überforderung und Angst mit sich selbst auszumachen, sagt Annika Redlich. Redlich: „Überwinden sie ihre Scham, und melden sich bei uns, verpacken sie ihr Leiden oft in das Wort Burnout, welches gesellschaftlich positiver behaftet ist.“

Doch selbst wenn sich Väter Hilfe holen, bleibt die postpartale Depression oft unerkannt. „Es kommt immer noch vor, dass ein betroffener Vater an eine Fachperson gelangt, der noch nicht bewusst ist, dass die Krankheit auch Männer betrifft.“ […] Die Konsequenz: Betroffene Männer erhalten oft keine Hilfe. Vermutlich ist ihre Suizidrate deshalb massiv höher.

Männer und Frauen machen in der Zeit nach der Geburt anderes durch. „Daher wäre es wichtig, dass sich Väter in einer Krise mit einem anderen Mann austauschen könnten“, sagt Remo Ryser. Dies scheitert jedoch oft an den aktuellen Gegebenheiten: Die Hebammen, das Pflegefachpersonal und die Beratenden sind meist weiblich. Genauso beziehen sich Studien über die Zeit nach der Geburt vorwiegend auf Frauen, die Klinik-Angebote sind meist als Mutter-Kind-Stationen konzipiert. „In unserem Vorbereitungskurs gab es nur eine Folie, die sich mit Vätern befasste. Und dort stand: so unterstützen sie ihre Frau“, erzählt [der Vater] Dario Scuto. „Das ganze System ist auf die Mütter fokussiert, dabei leben wir nicht mehr in den Fünfzigerjahren. […] Auf politischer Ebene sei es zentral, die Unterversorgung im psychischen Sektor zu beheben und gleichstellende Massnahmen zu fördern, sagt Fabienne Forster: „Studien zeigen: je mehr Vaterschaftsurlaub Männern zur Verfügung steht, desto seltener entwickeln sie Depressionen.“

Die Politik muss ihre Blindheit auf dem Jungen- und Männerauge endlich überwinden.

Bildquelle: alleinerziehender-vater-manndat-2-718.jpg

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Lesermeinungen

  1. By Th.

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