Männerverheizen in der Ukraine

von Manndat

Männerverheizen in der Ukraine

Sag wo die Soldaten sind was ist geschehen? Sag wo die Soldaten sind über Gräbern weht der Wind Wann wird man je verstehen?

Text: Peter Seeger aus dem Antikriegslied „Where Have All the Flowers Gone“ von 1955 übersetzt ins Deutsche. Das Lied wurde von Max Colpet unter dem Titel Sag mir, wo die Blumen sind ins Deutsche übertragen und im deutschsprachigen Raum in der 1962 veröffentlichten Version von Marlene Dietrich bekannt.

 

Eine Drohne filmt eine Kampfpanzer-Zerstörung bei Charkiw, eine andere filmt, wie russische Schützenpanzer explodieren. „Im Kampf gegen Russland hat die ukrainische Armee einen herben Verlust hinnehmen müssen. So sollen die Angreifer einen deutschen Gepard-Panzer und sieben US-amerikanische Himars-Raketen zerstört haben“, so die Kreiszeitung.de. Informationen über die „Effektivität“ moderner Waffensysteme haben in allen Medien heute Hochkonjunktur.

Im Krieg werden Männer verheizt

Was in unserer misandrischen Kultur dabei leicht vergessen wird, ist, dass in diesen Panzern auch Männer gesessen haben. Der oben genannte Kampfpanzer hat drei Mann Besatzung (Kommandant, Fahrer, Richtschütze). Die gezeigten fahrenden Schützenpanzer BMP haben ebenfalls drei Mann Besatzung (Fahrer, Kommandant, Schütze) und transportieren zusätzlich noch weitere bis zu acht Soldaten. Nicht nur die Panzer, sondern auch die Männerleben, die darin existierten, wurden im Bruchteil einer Sekunde getötet – Freunde, Söhne, Ehemänner, Väter.

Soldatenfriedhof bei Verdun für Gefallene des Ersten Weltkrieges.

Vielleicht waren auch Männer dabei, die sich von ihrer Politik und Gesellschaft haben überreden lassen, für die Machtansprüche ihres Landes ihr Leben hinzugeben. Vielleicht waren auch zwangsrekrutierte Männer dabei, die gar nicht dabei sein wollten, die aber völlig völkerrechtskonform gezwungen wurden. Denn daran hat Geschlechterpolitik, Gender Mainstreaming, Gleichstellungspolitik und wie man es auch nennen möchte, nichts geändert und sie will auch daran nichts ändern.

Wie 20min.ch (30.12.22) berichtet, haben nach dpa-Meldung seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges und seit der Ausrufung des Kriegszustands in der Ukraine mehrere Tausend junge Ukrainer versucht, dem ausschließlich für Männer geltenden militärischen Zwangsdienst zu entkommen und das gleiche Recht wie Frauen wahrzunehmen, sich im Ausland in Sicherheit zu bringen.

Wie die ukrainischen Grenztruppen mitteilten, wurden knapp 12.000 Männer bei dem Fluchtversuch verhaftet, über die Grenze in Richtung westliches Ausland zu fliehen.

Bei dem Fluchtversuch seien auch 15 Männer ums Leben gekommen. Unter anderem erfroren den Angaben zufolge zwei Männer in den Karpaten auf dem Weg nach Rumänien.

Auch in Russland versuchten Tausende junge Männer, sich dem Wehrdienst zu entziehen. Unmittelbar nach der Mobilmachung im September flohen Tausende ins Ausland, in einigen ehemaligen Sowjetrepubliken entstanden kleinere russische Kolonien.

Im Artikel zeigt man allerdings wenig Verständnis mit den fliehenden Männern. Da wird im Originaltext von Männern geredet, die sich dem Wehrdienst zu entziehen versuchen, von Männern die gleichsam wie Verbrecher gefasst wurden, weil die die Grenze illegal ins sichere Ausland verlassen wollten. Und bei der illegalen Grenzüberquerung seien auch 15 Männer ums Leben gekommen. Da liest man das zynische „Ätsch! Selber schuld!“ gleich noch mit – der Gender Empathy Gap eben.

Männer haben für Politik und Gesellschaft beliebig verfügbar zu sein. In Österreich und in der Schweiz gibt es nach wie vor die reine Männerwehrpflicht, in Deutschland ist sie derzeit ausgesetzt, ist aber in Art. 12a GG immer noch verankert. Und in Zeiten des zunehmenden Bellizismus ist seine Wiedereinführung wohl nur noch eine Frage der Zeit.

Durch die Waffenlieferungen an die Ukraine wurde aus dem Krieg ein Abnutzungskrieg. Der Militärexperte Masala relativierte bei Maischberger die Angst einer möglichen Generalmobilmachung der Russen durch die Ukraine-Offensive, indem er sagte: „Da ist zwar viel dann Personal da, aber ich sag mal: Da ist auch viel Kanonenfutter dabei“. Maischberger tat empört (oder ist sie wirklich so naiv?): „Das ist ein wirklich hässliches Wort!“. Masala weiter: „Aber so muss man es sagen. Das sind junge Männer, die zwei, drei Wochen ausgebildet werden an der Waffe und nicht kämpfen können.“ Und die Rechnung der Abnutzungsstrategen geht tatsächlich auf. Mittlerweile hat Russland mit der Mobilmachung begonnen, wehrfähige und wehrpflichtige Männer werden einberufen.

Und dieses Männerverheizen gilt nicht nur für die russische Armee. Durch die Offensive hat die Ukraine auch viele junge Männer verheizt, vielleicht auch solche, die vor einigen Monaten noch an der Grenze mit Gewalt zurückgehalten wurden, weil sie nicht zerfetzt werden wollen, wie es auf den o. g. Videos gezeigt wird.

Warum wieder nur Männer?

Wir bedauern es sehr, dass die Chance nach Ende des Kalten Krieges nicht genutzt wurde den Frieden in Europa zu stabilisieren. Aber uns geht es hier nicht um das Für und Wider des Krieges in der Ukraine oder überhaupt irgendwelcher Kriege. Die Frage, die sich uns stellt, ist eine andere.

Wenn die Notwendigkeit einer kämpferischen Auseinandersetzung gesehen wird, warum haben selbst heute in Zeiten von Gleichberechtigung, Gleichstellung, Gleichheit, Rollenbildkritik, Gender Mainstreaming usw. immer noch lediglich Männer die Kosten zu tragen, während in anderen, nicht lebensgefährlichen Bereichen von Frauen die unbedingte, rücksichtslose Gleichstellung gefordert wird bzw. Privilegien nicht aufgegeben werden wollen. Der Einsatz des Lebens, der nur auf Männer zukommt, wird nicht in die übergeordnete Waagschale gelegt. Er wird noch nicht einmal erwähnt, geschweige denn auch nur ansatzweise hinterfragt.

Der 20-jährigen Jura-Student Alexander Dory aus Konstanz klagte gegen seine Einberufung zur Bundeswehr. Der Grundwehrdienst schade seiner Karriere und verstoße damit gegen Gleichstellungsgrundsatz. Der EuGH lehnte 2003 die Klage ab. Es sei Sache der EU-Staaten wie sie ihr Militär organisieren. Deshalb sei militärischer Zwangsdienst ausschließlich anhängig vom (männlichen) Geschlecht rechtens. (Vgl. https://www.tagesspiegel.de/politik/eu-gericht-bestaetigt-deutsche-wehrpflicht-klage-gegen-ungleichbehandlung-von-mann-und-frau-abgewiesen/397228.html )

Damit hat sich der EuGH aus seiner Verantwortung herausgewunden. Denn bei der Klage ging es ja nicht darum, ob ein Staat seine Verteidigung über Zwangsdienste regelt oder nicht, sondern ob er dabei Männer und Frauen gleichbehandelt oder nicht.  

Auf unseren offenen Brief an unsere feministische Außenministerin, in dem wir auch das völkerrechtswidrige Zurückhalten männlicher Flüchtlinge aus der Ukraine kritisiert haben, haben wir übrigens keine Antwort erhalten.

„Die Frauen haben die Hauptlast dieses Krieges getragen“

Trotz des massiven Verheizens von Männerleben im Krieg zwischen Ukraine und Russland darf das übliche Narrativ der Feministinnen nicht fehlen. Der First Lady der Ukraine, Olena Zelenska, zufolge tragen natürlich Frauen die Hauptlast dieses Krieges:

„Die Frauen haben die Hauptlast dieses Krieges getragen, indem sie dafür gesorgt haben, dass es ihren Familien gut geht, dass es ihren Kindern gut geht, dass ihre Kinder in Sicherheit sind. Mütter und Großmütter sind eingesprungen, um sie zu schützen“.

Gender Empathy Gap auf ukrainisch.

Männer, so scheint es die Ansicht auch fortschrittlicher, gleichberechtigter Gesellschaften und Machthaber zu sein, sind zum Verheizen in Kriegen da. Mein Bauch gehört mir, sagen die Feministinnen. Der Körper von Männern gehört aber offenbar dem Staat und der Gesellschaft und die machen damit, was sie wollen. Schon kleinen Jungen wird dies klargemacht. 2012 wurde in Deutschland Jungenbeschneidung legalisiert, 2013 Mädchenbeschneidung komplett unter Strafe verboten. Den kleinen Jungen wird damit schmerzhaft verdeutlicht, dass die politische Elite mit ihrem Köper macht, was sie will. Und ihnen hilft auch kein verfassungsrechtlich verbürgtes Grundrecht und schon gar kein Politiker.

Und an die Wiederaufbauunterstützung einer ausgebombten Ukraine – Schätzungen gehen von über 300 Milliarden Euro aus – wird man dann vermutlich auch frauenpolitische Forderungen, z. B. die einer feministischen Außenministerin oder einer frauenpolitischen EU-Chefin, knüpfen. Manche Frauenpolitikerinnen, wie die Vorsitzende der Frauenunion (CDU), präsentieren ja ungeniert männermordende Länder als Vorzeigeländer für Frauenförderung.

Wie viele Männer wurden bisher im Ukraine-Krieg verheizt?

Genaue Zahlen über Verluste gibt es für die Öffentlichkeit nicht, da solche Zahlen natürlich der Geheimhaltung unterliegen. Oft werden die eigenen Verluste geringer, die des Gegners höher angegeben. Bis Ende August, also noch vor der ukrainischen Offensive, war die Lage so, wobei diese Zahlen mit großer Vorsicht zu genießen sind:

„Bis zu 80.000 russische Soldaten sind im Ukraine-Krieg bislang verletzt oder getötet worden – so schätzt es Washington ein“ (https://www.merkur.de/politik/russland-ukraine-krieg-putin-soldaten-usa-pentagon-waffen-schaetzung-milliarden-80000-verluste-91714560.html, 21.08.2022)

„Mittlerweile sollen im Ukraine-Krieg mehr als 47.000 Soldaten gefallen sein. Das teilte der ukrainische Generalstab am Montagmorgen laut Berichten der Nachrichtenportale Kyiv Independent und Nexta mit.“ (https://www.fr.de/politik/ukraine-ukraine-moskau-kiew-krieg-news-schwere-verluste-fuer-russland-rueckschlag-im-sueden-der-zr-91753350.html, 31.08.2022)

„CIA und MI6 sprechen von 15.000 toten Russen, insgesamt könnten bis zu 125.000 Soldaten getötet oder verwundet worden sein.“ (https://www.focus.de/politik/ausland/ukraine-krise/analyse-unseres-partnerportals-economist-wie-hoch-sind-die-russischen-verluste-in-der-ukraine_id_124344710.html, 30.7.22)

„The combat losses of the Russian occupation army over the past day amounted to about 200 personnel, and since the start of a full-scale invasion of Ukraine on February 24 and as of Thursday morning, June 9, they amounted to about 31,700 people, the General Staff of the Armed Forces of Ukraine reports on Facebook.“ (https://en.interfax.com.ua/news/general/838013.html, 9.6.22)

„Nach jüngsten Schätzungen der US-Geheimdienste starben bislang rund 15.000 russische Soldaten.“ (https://www.spiegel.de/ausland/russlands-angriffskrieg-in-der-ukraine-das-geschah-in-der-nacht-zu-donnerstag-21-juli-a-789c7126-ecec-4531-8fb6-9af15e1b1477)

„Kiew: Fast 9000 ukrainische Soldaten im Krieg bisher getötet“ (https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-ukraine-montag-167.html#ukrainischeSoldaten, 22.8.22)

„Nach Angaben von Präsidentenberater Arestowytsch wurden bislang etwa 10.000 ukrainische Soldaten getötet.“ (https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-mariupol-cholera-donbass-101.html; 11.06.2022)

Nach diesen Schätzungen kann von 9.000 bis 10.000 getöteten ukrainischen Soldaten und von 15.000 bis 47.000 getöteten russischen und bis zu 80.000 bis 125.000 getöteten oder verwundeten russischen Soldaten ausgegangen werden, also insgesamt zwischen 24.000 und 57.000 getöteten Männern. 57.000 entspricht etwa der Einwohnerzahl von Grönland, Neu-Ulm oder Stralsund.

Der US-General Mark Milley ging jedoch bereits Ende November letzten Jahres von russischen Verlusten von mindestens 100.000 Soldaten aus. Allerdings geht er laut The Guardian auch davon aus, dass die ukrainische Armee „wahrscheinlich“ ähnlich hohe Verluste zu beklagen hat.

Wahlaussagen als hohle Phrasendrescherei. Hier ein Wahlplakat der Grünen. Quelle: Twitter

Haben die Grünen nicht ausdrücklich Wahlwerbung mit dem Slogan „Keine Waffen in Kriegsgebiete“ gemacht? Heute wetteifern (nicht nur) grüne Politiker damit, wer die Lieferung der meisten schweren Waffen für die Ukraine ins Kriegsgebiet fordert. So rollen nach 1941, 1942 und 1943 bald wieder deutsche Panzer gegen Russen in den Krieg.

 

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