Bildungsbericht 2012: Stellungnahme von MANNdat

von MANNdat

Der Bildungsbericht 2012, herausgegeben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, liegt nun vor. MANNdat hat ihn sich insbesondere in Hinblick auf die Aussagen zur Bildungsproblematik angesehen und die in diesem Zusammenhang wesentlichen Passagen hier zusammen gestellt.
Zum Thema Chancengleichheit führt der Bericht aus:

Disparitäten nach Geschlecht

Die Entwicklung des Bildungssystems der letzten Jahrzehnte geht mit einer Erfolgsgeschichte für die Frauen einher, die sich kontinuierlich fortschreibt. Weisen Frauen in den älteren Bevölkerungsgruppen noch einen deutlich niedrigeren Bildungsstand auf, so hat sich dieses Bild grundlegend gewandelt. In der Altersgruppe der 30- bis unter 35-Jährigen besitzen mit 42% mehr als doppelt so viele Frauen einen Hochschulabschluss als in der Altersgruppe der 60- bis unter 65-Jährigen (20%), gleichzeitig erwerben sie inzwischen häufiger einen Hochschulabschluss als Männer …

Mädchen wird im Vorschulalter nicht so oft eine Teilnahme an einer Sprachfördermaßnahme empfohlen, und sie werden häufiger vorzeitig sowie seltener verspätet eingeschult im Vergleich zu Jungen … Im Verlauf der schulischen Entwicklung können Mädchen ihren Vorteil im Bereich der Lesekompetenzen weiter ausbauen. In der Gruppe der 15-Jährigen bilden Jungen auf den beiden unteren Kompetenzstufen die Mehrheit. Hingegen weisen Mädchen einen zweieinhalbmal so hohen Anteil auf den beiden oberen Kompetenzstufen wie Jungen auf … Mädchen bzw. junge Frauen verlassen seltener die Schule ohne Schulabschluss (5,3% im Vergleich zu 7,8% bei den Jungen) oder mit einem Hauptschulabschluss (22,6% im Vergleich zu 30,3% bei Jungen), auch erlangen sie etwas häufiger einen Mittleren Schulabschluss und erwerben vor allem zu größeren Anteilen das Abitur (37,8 im Vergleich zu 29,4%) … Von den jungen Frauen erreicht inzwischen mehr als jede zweite das Abitur oder die Fachhochschulreife, und damit übersteigt ihre Studienberechtigtenquote die der Männer …

Jungen fallen in ihren Bildungsleistungen nicht nur relativ gegenüber den Mädchen zurück, sondern auch absolut. Dies geht aus dem Vergleich mit Vorgängergenerationen hervor. Der Bildungsbericht führt hierzu aus:

Über die Alterskohorten hinweg ergibt sich allerdings bei Männern und Frauen ein gegenläufiges Muster: Während in der Altersgruppe der 30- bis unter 35-jährigen Frauen der Anteil ohne beruflichen Abschluss im Vergleich zu den 60- bis unter 65-Jährigen um rund sieben Prozentpunkte niedriger ausfällt, verzeichnet die Kohorte der 30- bis unter 35-jährigen Männer einen um rund sechs Prozentpunkte höheren Anteil. Seit dem Bildungsbericht 2010 hat sich der Anteil der 30- bis unter 35-jährigen Männer ohne beruflichen Abschluss weiter erhöht (vgl. B3 im Bildungsbericht 2010).

Die zunehmenden Bildungsmisserfolge von Jungen sind bereits oft beschrieben worden, nicht zuletzt auch in den Vorgängerberichten des Bundesministeriums selbst, wenn auch nicht an prominenter Stelle. Die Ursachen hierfür seien unklar, wurde meist nebulös ausgeführt. Gleichwohl ist nicht bekannt, dass Studien zur Erhellung des Sachverhalts in Auftrag gegeben wurden. Aktiv wurde indes die Vodafone-Stiftung, welche in ihrer im Jahr 2011 vorgelegten Studie [1] die Diskriminierung von Jungen bei der Notenvergabe nachweisen konnte. Die Arbeiten von Jungen werden gegenüber denen von Mädchen bei gleicher Leistung schlechter benotet. Dies deutet auf eine entsprechende Konditionierung der Lehrerschaft in Genderfragen hin. Die Vodafone-Studie wird im Bildungsbericht 2011 mit keinem Wort erwähnt. So wundert es nicht, dass man sich dort zunächst zum wiederholten Male zu seiner Unkenntnis in Sachen Ursachenforschung bekennen muss. Ein Novum beinhalten allerdings die folgenden aus verschiedenen Passagen des Berichts zusammengestellten Ausführungen:

Letztlich ist schwer zu entscheiden, welche Faktoren die erfolgreiche Entwicklung in den Bildungsbiografien von Frauen maßgeblich beeinflusst haben. Allerdings verweisen aktuelle Befunde zur frühkindlichen Förderung auf günstigere Bedingungen für Mädchen in den Familien hin. Mädchen wird häufiger vorgelesen, mit ihnen wird auch häufiger gemeinsam gesungen und musiziert …

Während 50 % der Eltern von Mädchen mit diesen sehr häufig bildungsförderliche Aktivitäten ausüben, tun dies etwa 42 % der Eltern von Jungen. Dies könnte ein Hinweis auf eine frühe geschlechtsspezifische Akzentsetzung der Eltern im Umgang mit ihren Kindern sein.

57 % der Eltern führen nach eigenen Angaben häufig leseförderliche Aktivitäten mit ihren Kindern durch … Dabei werden 62 % der Mädchen und 51 % der Jungen von ihren Eltern gefördert, was auch beim Lesen auf geschlechtsspezifische Unterschiede im Erziehungsverhalten hinweist. Dies erscheint vor allem im Hinblick auf die bei Jungen und Mädchen unterschiedliche Lesekompetenz am Ende der Grundschulzeit interessant.

Die Bildungsmisere der Jungen beginnt demnach bereits in der Familie, indem Eltern „geschlechtsspezifischen Akzentsetzungen“ zum Nachteil ihrer eigenen Jungen folgen. Dies kann nur Ausdruck einer jüngeren Entwicklung sein, da es die Bildungsmisere der Jungen vor 20 Jahren in dieser massiven Form noch nicht gab. Die bereits im Jahr 1986 verkündete feministische Doktrin, der zu Folge es unseren Jungen zukünftig schlechter gehen müsse, damit es den Mädchen besser gehen könne [2], ist mittlerweile in der Realität unserer Kinderstuben angekommen. Dies ist ein desaströser Befund für unsere Gesellschaft, die da glaubt, auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu sein.

Umso wichtiger ist, Aufklärungsarbeit zu leisten und Forderungen an die Politik nach Aufklärung der Ursachen dieser Differenzen sowie Maßnahmen zur Förderung von Jungen immer wieder lautstark zu stellen (Was wir wollen, Punkte 15 bis 17). Es ist aber auch wichtig, Eltern Unterstützung bei der frühkindlichen Bildung an die Hand zu geben. MANNdat geht hier mit guten Beispiel voran: Mit einer Seite zur Jungenleseförderung.

Quellenangaben

[1] Quelle: Maaz, Baeriswyl, Trautwein. Herkunft zensiert? Leistungsdiagnostik und soziale Ungleichheiten in der Schule. Eine Studie im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland. (2011)

[2] Quelle: Emma, Heft Nr. 2, 1986

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