Können Jungen bei der Bildung aufholen?

von Manndat

Können Jungen bei der Bildung aufholen?

Mädchen jeder Altersstufe liegen beim Lesen vorne – können Jungen aufholen?“ – in der New York Times geht man dieser Frage nach, die unser Verein MANNdat schon seit dessen Bestehen stellt und mit seiner Informationsreihe „Was der Bildungsbericht verschweigt“ beantwortet hat. Aus dem Artikel:

Seit etwa Mitte der 2010er-Jahre sind die Lesekompetenzen weiter gesunken — ein Trend, der nach Einschätzung von Bildungsexperten vermutlich zum relativen Rückgang der Schul- und Hochschulteilnahme von Jungen beiträgt. Lesen ist schließlich der Schlüssel zum Verständnis anderer Fächer und zum Erfolg in Studium und Beruf. Eine Untersuchung in 18 Ländern zeigte, dass schwächere Lesefähigkeiten bei Jungen ihre Chancen auf ein Hochschulstudium unmittelbar mindern.

Trotz der weltweiten Geschlechterdifferenz im Lesen sind die Defizite von Jungen jedoch keineswegs naturgegeben; ihre Fähigkeiten ließen sich durchaus verbessern, betonen Fachleute. Dass Leistungsunterschiede veränderbar sind, zeigt sich bereits daran, dass der Vorsprung von Jungen in Mathematik für Mädchen deutlich geschrumpft ist.

„Dass sich die Mathematik-Lücke so stark verändert hat, zeigt, wie sehr gesellschaftliche Bedingungen solche Unterschiede beeinflussen können“, sagt Sean Reardon, Professor an der Stanford Graduate School of Education, der die Auswertung der Testergebnisse leitete. „Wir könnten Jungen also durchaus helfen, im Lesen aufzuholen. Wir haben Gesellschaft und Schulen nur noch nicht entsprechend organisiert.“

(…) „Vieles hat eine biologische Grundlage, ist aber dennoch vollkommen veränderbar“, sagt Dalton Conley, Soziologe an der Princeton University, dessen Forschung zeigt, wie Gene und Umwelt eines Kindes zusammenwirken und seine Leseentwicklung prägen. „Das bedeutet nicht, dass wir als Gesellschaft nicht die nötigen Ressourcen bereitstellen und Jungen Lesen auf andere Weise vermitteln könnten, um die Lücke zu schließen.“

Man kommt also auf die gleiche Antwort wie wir. Politik und Gesellschaft können Jungen wieder mit ins Boot holen. Aber wollen Politik und Gesellschaft das? Unwahrscheinlich.

Es ist kein blinder Fleck für die Politik. Seit 25 Jahren werden die politisch Verantwortlichen regelmäßig über den Bildungszustand aller Kinder, auch der Jungen, aufgeklärt durch regelmäßige Studien, wie PISA, IGLU, VERA-Vergleichsarbeiten, IQB. Die Politik weiß also Bescheid, aber sie tut nichts dagegen.

Und ja, Jungen können in der Bildung aufholen, selbst in der Lesekompetenz oder Sprachkompetenz. Es gibt genügend Modellversuche, die in Deutschland und europaweit gezeigt haben, dass es genügend Ansätze gibt, dies zu verbessern. Aber die Politik sieht das nur als Nischenthema und überlässt es Außenstehenden, sich um die männliche Hälfte der Jugend und Kinder zu kümmern. 

Die Erfolge in den MINT-Bereichen bei den Mädchen zeigen, was der Staat in Sachen Bildungsförderung leisten kann, wenn er das will und es auch tut, und der freie Fall der Jungen im Bildungsbereich zeigt, was passiert, wenn der Staat nichts tut und nichts tun will. 

Wirtschaftlich ist es ein Fehler, die Hälfte der Kinder aus ideologischen Gründen in der Bildung zurückzulassen, insbesondere für ein Land, in dem Bildung der wichtigste volkswirtschaftliche Faktor darstellt. Doch die die Politik jammert lieber wegen eines Fachkräftemangels.

Auch für den Sozialstaat ist es ein Fehler. Die Klientel, die früher einen Sozialstaat, um den uns viele beneidet haben, hauptsächlich finanziert haben, werden sehenden Auges zunehmend zu Sozialleistungsempfängern. Doch die die Politik jammert lieber wegen knapper Sozialkassen.

Hier wäre es durchaus einmal gut, wenn ein Bundeskanzler Merz weniger Jammern und dafür mehr Arbeit und Engagement von seinen Politikerkollegen einfordern würde. 

Warum lässt also die Politik in der Bildung zurück. Wir denken, dass dies ideologische Hintergründe hat. Die Geschlechterpolitik ist im Geschlechterkriegsdenken der 70er und 80er Jahre stehen geblieben. Jeder Cent, der für Jungen ausgegeben wird, wird in diesem Nullsummenspiel als Wegnahme und Affront gegen Mädchen- und Frauenförderung verstanden und von der Frauenförderadministration, von der kleinsten Gleichstellungsbeauftragten in der kleinen Kommune bis hin zur Bundesfrauenministerin streng beobachtet und kritisiert. In Deutschland und in der EU werden exklusive Frauenförderprojekte problemlos gefördert. Exklusive Jungenbildungsförderprojekte sind in der Regel nicht förderungswürdig, es sei denn sie werden indirekt als Mädchenförderung deklariert, z.B. weil man nachweisen kann, dass man damit Jungen, die ja nach heutigem Verständnis generell „toxisch“ sind, zu halbwegs besseren Mensch macht und damit auch Mädchen hilft. 

Marianne Grabrucker schrieb schon in „Typisch Mädchen“ 1985: „[…] die Anerkennung der Mädchen kann nur auf Kosten der kleinen Buben geschehen“. In der Frauenzeitschrift EMMA hieß es 1986: „Wenn wir wirklich wollen, dass es unsere Töchter einmal leichter haben, müssen wir es unseren Söhnen schwerer machen“. (siehe Schmauch, U.: Was geschieht mit den kleinen Jungen? – Ein persönlicher Blick auf die Entwicklung des Jungenthemas von den 70er Jahren bis heute. In: Rose, L./Schmauch, U. (Hrsg.): Jungen – die neuen Verlierer? Königstein/Taunus: Ulrike Helmer Verlag,2005, S. 29)

Waltraud Cornelißen, Leiterin der Abteilung Geschlechterforschung und Frauenpolitik des Deutschen Jugendinstitutes München, bestritt in der Frankfurter Rundschau am 30.07.2003 keineswegs, dass die zunehmende Feminisierung des Bildungswesens durchaus „die sprachliche Entwicklung von Jungen“ hemme. Aber nach ihrer Meinung sei dies gerechtfertigt, um Mädchen bessere Chancen im Beruf zu geben. Jungenbenachteiligung wurde als Mädchenfördermittel gerechtfertigt. 

Gesagt, getan. 

In diesem Zusammenhang muss auch die neue Wehrpflicht betrachtet werden, die man ja wieder einmal, wie seit ewigen Zeiten, ausschließlich Männern aufgebürdet hat. Wie sagte Frau Bundeswehrprofessorin Groh: „Die Wehrpflicht für Männer ist eben eine Ausnahme zum Grundsatz der Gleichbehandlung der Geschlechter.“ Einfach mal Rosinen picken.

Und bevor man die in der Bildung zurückgelassenen Jungen zu nutzlosen Sozialhilfeempfängern macht, kann man sie immer noch im Rahmen der Remilitarisierung zumindest als Kriegsmaterial oder, bei Wiedereinführung der reinen Männerwehrpflicht, als billige Ersatzdienstleistende im sozialen Bereich benutzen.

So sieht es aus: Jungen in der Bildung im Stich lassen, aber ausschließlich von ihnen dann den Blutzoll bei der Landesverteidigung verlangen.

Fazit

Ja, Jungen können aufholen und es gibt mittlerweile gute Beispiele, wie man dies fördern kann, aber sie sollen es nicht. Die Geschlechterpolitik ist seit gut einem halben Jahrhundert über die Frauenfrage nicht hinausgekommen. Und so wird die Bildungsmisere der Jungen lediglich als positive Rückmeldung der einseitigen reinen Mädchenförderung gefeiert, anstatt es als soziales Problem der Zukunft zu erkennen. Denn jeder Junge, der im Bildungssystem scheitert und arbeitslos auf der Straße landet, ist ein Gewinn für die Frauenquote. 

Quelle: https://archive.ph/ZFnkW

Quelle Beitragsbild: KI generiert Google Gemini

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