Opfer-Bashing als neue feministische Strategie?

von Dr. Bruno Köhler

Männer sollen den Mut haben, sich ihrer Verletzlichkeit zu stellen. Männlichkeit soll nicht mehr über Gewalt und Gewalterfahrung definiert werden. Männer sollen offen über ihre Probleme und Sorgen sprechen. So heißt es in Politik und Gesellschaft über den „neuen Mann“. Wie ehrlich dieses Gerede ist, zeigt sich dann, wenn Männer zu Opfern werden, insbesondere Opfer von weiblichen Tätern.

Nach der Nazikeule („alle Nichtfeministen sind Nazis“) bringen fanatische Feministen die nächste Diffamierungswelle ins Rollen. Diesmal geht es um die Diffamierung männlicher Gewaltopfer und damit natürlich auch um die Verharmlosung von Gewalt gegen Männer, was man auch als eine Form von Gewaltverherrlichung betrachten kann.

Mit dem Ausspruch „Männer … feiern ihr Schicksal quasi mit einem Doppelliter in der Öffentlichkeit“ verhöhnt die Wiener „Sozialdemokratin“ und Bezirksvorsteherin von Mariahilf Renate Kaufmann männliche Obdachlose. 

Mit diesem verbalen Tritt gegen hilflose männliche Obdachlose versucht Frau Kaufmann den 90% Männeranteil an Obdachlosen auf Menschen verachtende Weise zu verharmlosen.

Lucas Schoppe analysiert und hinterfragt diese ausgeprägte Doppelmoral in der Geschlechterpolitik in seinem Artikel „Empörungstheater„.

Die männerfeindliche taz und die Frauenzeitschrift AMICA machen sich über männliche Opfer häuslicher Gewalt lustig. Der Hebel wird dabei beim ehemaligen Tennis-Star Boris Becker angesetzt, der es als Mann gewagt hat, sich als Opfer häuslicher Gewalt von Frauen zu outen.

Arne Hoffmann kommentiert diese aggressiven Verbalattacken in seinem Artikel „Boris Becker:Victim Blaming bei AMICA und taz“ auf Cuncti, mit dem offenbar männliche Opfer häuslicher Gewalt mundtot gemacht werden sollen.

Der taz-Autor Hartmut El Kurdi setzt dabei vor allem auf die niveaulose Ansammlung von Beleidigungen und bezeichnet in seinem Beitrag „Dumm dumm-Boris“ Becker als dumm, als Vollidioten und meint, dass es bei Becker niemanden überraschen würde, „wenn er die Beschaffenheit seines Morgenstuhls twittern würde“.

Die taz setzt dagegen auf (Pseudo)-„Wissenschaft“. Die Psychologien Frau Bärbel Wardezki  kommt zu der Ferndiagnose, dass Beckers Bereitschaft über seine Gewalterfahrung zu reden „ziemlich kindisch“ sei. „Das deute“, so Frau Wardezki weiter, „eigentlich darauf hin, dass jemand kein Interesse oder keine Fähigkeit hat, sich auseinanderzusetzen.“ Eine sehr interessante Interpretation der Äußerungen von Opfern häuslicher Gewalt.

Hier geht es uns nicht um die Interpretation von „Besenkammer“-Geschichten. Es geht um häusliche Gewalt. Gleichberechtigung heißt, dass alle Gewaltopfer – egal welchen Geschlechts – gleichermaßen wahrgenommen werden. Werden männliche Opfer häuslicher Gewalt ebenso wahrgenommen wie weibliche Opfer häuslicher Gewalt?  Frauenopfer-Männertäter-Stereotypen werden immer noch kolportiert, obwohl Studien seit Jahrzehnten eindeutig belegen, dass häusliche Gewalt nahezu gleich von beiden Geschlechtern ausgeht und sehr häufig die Täter-Opfer-Rolle umgekehrt ist.

Gleichstellungsbeauftragte messen das geschlechtsspezifische Gewaltpotential nicht an wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern an Statistiken, die sie selbst gefälscht haben: An den Platzverweiszahlen„, meint der Väterrechtsaktivist Franzjörg Krieg.

Aber Frau Wardezki hat auch ein hervorragendes Mittel für Opfer von häuslicher Gewalt: „Ich kann nur geschlagen werden, wenn ich mich schlagen lasse. In so einem Fall hätte die Reaktion sein müssen: Du schlägst mich einmal und nicht wieder. … Sich hinzustellen und zu jammern, ist reines Opferverhalten.“

Liefert Frau Wardezki mit diesem einfachen Hilfsmittel nicht ein „schlagendes“ Argument, um alle Frauenhäuser aufzulösen? Wenn man doch nur geschlagen werden kann, wenn man sich schlagen lässt. Wäre der Hinweis an die betroffenen Frauen, sich einfach hinzustellen und zu sagen „Du schlägst mich einmal und nicht wieder“ nicht günstiger als die Finanzierung von Frauenhäusern? Oder sieht sie das bei Frauen und Männern unterschiedlich, obwohl sie doch wissen müsste, dass man nicht als Frau oder Mann geboren wird, sondern dazu gemacht wird? Wird man vielleicht zur Frau oder zum Mann erst dadurch gemacht, indem man als Gewaltopfer ernst genommen oder nur verhöhnt wird? Fragen, die bislang trotz inflationärer Zunahme von Lehrstühlen zu „Gender studies“ noch nicht gestellt wurden.

Selbstverständlich hat Frau Wardezki auch eine Erklärung bereit, weshalb Herr Becker sich in der Öffentlichkeit als Gewaltopfer outet: Er will entweder Mitleid erregen oder sich rächen. „Opfer wollen immer gerettet werden“, meint Frau Wardezki. „Das Opfer schiebt alle Schuld auf den Täter und möchte sich mit seinem Anteil nicht auseinandersetzen.“

Erstaunlich solche Worte im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt zu lesen. Ob Frau Wardezki bei männlichen wie weiblichen Opfern gleich argumentiert?

Das Ganze erinnert stark an die Teilung der Bürgerrechte bei der Beschneidung von Jungen und Mädchen. Sie erinnern sich an den 12.12.2012, als der Bundestag sich für die Einführung eines Gesetzes entschieden hat, das Körperverletzung an Jungen durch Beschneidung legalisiert? Vor kurzem hat der gleiche Bundestag ein Gesetz entworfen, das Körperverletzung an Mädchen durch Beschneidung unter Strafe verbietet. Schon bei Kindern wird mit unterschiedlichem Maß gemessen. Jungen wird auch heute nach wie vor wesentlich mehr Gewalt zugemutet als Mädchen. Wen wundert es, dass in einem Land, das heute noch Gewalt und Gewalterfahrung als wichtige Initiation von Jungen sieht, männliche Gewaltopfer, insbesondere Opfer weiblicher Gewalt verhöhnt?

Das erinnert auch an Goslar, wo eine Gleichstellungsbeauftragte vor wenigen Jahren abgesetzt wurde, weil sie forderte, die Brötchentütenaktion „Gewalt gegen Frauen und Kinder kommt nicht in die Tüte“, auch für männliche Opfer häuslicher Gewalt zu öffnen mit dem Slogan „Gewalt kommt nicht in die Tüte“. Warum für den Bäckereifachverband Gewalt gegen Männer sehr wohl in die Tüte kommt, konnte uns dieser übrigens nie beantworten.

Im Mittelalter wurden Männer, die von ihrer Frau geschlagen wurden, zum Gespött der Leute rücklings auf einen Esel gesetzt und durchs Dorf getrieben. Über ein halbes Jahrtausend später gibt es offenbar immer noch Leute, deren Geschlechterbild auf diesem Stand stehen geblieben ist. Nur wurden die Esel durch Journalisten wie Kotlar, Wardezki oder El Kurdi ersetzt. Und das Dorf wurde durch das World Wide Web abgelöst. Aber vielleicht sind Hartmut El Kurdi und Bärbel Wardezki, ebenso wie die AMICA-Interviewerin Kerstin Kotlar auch „nur“ ganz stinknormale Männerhasser.

Wir hoffen, dass sich männliche Opfer weiblicher Gewalt von dieser Diffamierungswelle nicht abschrecken lassen und empfehlen unseren MANNdat-Text „Was tun als männlicher Betroffener von häuslicher Gewalt?“

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Lesermeinungen

  1. Von Zentrum Menschenwuerde und Kinderrechte

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  2. Von Zentrum Menschenwuerde und Kinderrechte

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    • Von Ma 'Al

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    • Von Markus Albrecht

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