Dürfen Gleichstellungsbeauftragte männerfreundlich sein?

von Dr. Bruno Köhler

MANNdat im Interview mit Monika Ebeling

MANNdat: Sehr geehrte Frau Ebeling, Sie haben sich eines in unserer Zeit sehr schweren Verbrechens schuldig gemacht. Sie waren jungen-, väter- und männerfreundlich. Sind Sie sich der Tragweite dieses Vergehens bewusst und geloben Sie Besserung?

Monika Ebeling: Wie ich höre wird schon bundesweit unter Aktenzeichen „XYMännerversteherin schnappen“ nach mir gefahndet. Was in meinem Fall ja sogar noch erschwerend hinzu kommt: Ich bin auch noch zur Serientäterin geworden, denn ich kann einfach nicht aufhören weiterhin jungen-, väter- und männerfreundlich zu sein.

MANNdat: Es freut mich, dass Sie politisch inkorrekt bleiben und Ihren Humor nicht verloren haben, nach all dem, was Sie in Ihrem Buch geschrieben haben. Um was geht es in Ihrem Buch?

Monika Ebeling: In meinem Buch beschreibe ich die Ereignisse, die zu meiner Abberufung als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar führten. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass mir geschah, was jedem Menschen in Deutschland geschieht, der an der immer noch vorherrschenden einseitig parteilichen Gleichstellungspolitik Kritik übt oder in die Fänge jener Lobbyistinnen gerät. Wenn man hier Kritik äußert, sieht man sich plötzlich einer ideologischen Front gegenüber und muss mit Menschen verhandeln, die sich in ihren Netzwerken stark machen und an ihren beruflichen Einsatzorten ihre ideologische Selbstverliebtheit ausleben. Das kann für einen selbst und für andere gefährlich werden. Jenen Agitatorinnen gehen nämlich Frauen und Männer ins Netz, die eigentlich Hilfe für schwierige Lebensereignisse suchen und keine ideologische Indoktrinierung brauchen. Darüber möchte ich aufklären und hoffe als Mensch und mit meinem Buch einen Beitrag für Freiheit, Demokratie, Toleranz und Meinungsvielfalt auch in der Geschlechterdebatte leisten zu können.

MANNdat: Welcher Verlag hat das Buch herausgegeben?

Monika Ebeling: Der Herder Verlag hat mein Buch herausgegeben. Ich finde, meine Geschichte taugt auch, um daraus ein Drehbuch zu machen. Dann hätten wir mal wieder einen schönen gesellschafts- und sozialkritischen deutschen Film, der Themen aufgreift, die weit über unsere Landesinteressen hinausgehen.

MANNdat: Ihre Geschichte würde sich auf jeden Fall für einen Film eignen. Ein entsprechendes Vorhaben würde aber vermutlich die Zensur der Gleichstellungsbeauftragten der Produktionsfirma bzw. des Senders nicht überstehen. Sie werfen in Ihrem Buch sicher auch provokante Fragen auf.

Monika Ebeling: Ja, ich stelle in meinem Buch z. B. auch die Frage, ob wir den Paragraphen 218 ´updaten´ sollten? Die vor 40 Jahren abgebrochene Diskussion muss meines Erachtens wieder aufgenommen werden. Könnte es für diese Kinder und Mütter (und hoffentlich auch bald Väter) vielleicht bessere Lösungen geben? Lösungen, die Leben schaffen und nicht Tod bringen? In den letzten Jahrzehnten scheint mir die Gleichstellungspolitik immer mehr in eine Sackgasse geraten zu sein. Wir haben es zugelassen, dass einige dominante Feministen die gleichstellungspolitische Meinungshoheit ergriffen haben. Dabei haben wir auch ein großes Stück Demokratie geopfert.

MANNdat: Das ist natürlich eine sehr ketzerische Frage, ist der § 218 doch ein Symbol der Frauenrechtsbewegung gewesen.

Monika Ebeling: Nun, wir reden über Beschneidung von Jungen und Mädchen als Körperverletzung, setzen uns für gewaltfreie Erziehung von Kindern ein, zeugen Kinder außerhalb des Mutterleibes und bemühen uns um kleinste Frühchen, lassen es dann aber zu, dass Föten, Embryonen, ungeborene Menschen im Mutterleib abgetrieben, getötet werden?

MANNdat: Wobei die Körperverletzung von Jungen durch Beschneidung derzeit ja legalisiert werden soll, während sie bei Mädchen verboten ist. Hier zeigt sich, dass die Politik Jungen immer noch mehr Gewalt zumutet als Mädchen. Die von der Politik versprochenen neuen Wege waren also eine Lüge. Ein zentrales Anliegen in Ihrer Gleichstellungspolitik ist ja auch die Enttabuisierung von männlichen Gewaltopfern. Warum ist das nach Ihrer Auffassung eines der zentralen Hemmnisse einer ehrlichen Gleichstellungspolitik für Frauen und Männer?

Monika Ebeling: Die Debatte um Jungen und Männer als Opfer häuslicher Gewalt durch Mütter und Frauen ist deshalb so wichtig, weil sie ein Tor weit öffnen wird, das inzwischen niemand mehr schließen kann. Das wissen gewisse Kreise und versuchen mit Totschlagargumenten diese Debatte wieder zu ersticken. Es wird ihnen aber nicht gelingen! Es ist nicht lange her, als mich eine Tochter über den Männernotruf anrief. Sie kam gerade mit ihrem Vater vom Polizeirevier. Die Tochter versucht seit einigen Jahren den Vater aus den Klauen der zweiten Ehefrau zu befreien. Diese verprasst das ganze Geld des Mannes und schlägt ihm dafür wiederholt auf den Kopf und bricht ihm die Finger. Die Tochter hält die Not des alten Vaters nicht mehr aus. Als der Polizist bei der Darlegung der Situation milde zu lächeln scheint, verliert sie die Fassung, wie mir die junge Frau weinend am Telefon schildert. Scheinbar leiden zunehmend auch Frauen unter dem Diktat weiblicher Einseitigkeit und dieser ideologisch verbohrten Dominanz, die vielerorts unreflektiert aufrechterhalten wird. Es fehlt an politischer Integrität und Menschlichkeit gegenüber Männern. Frauen sind nicht die besseren Menschen, schützenswerter und liebenswerter als Männer. Vielen Frauen ist weitgehend die Empathie für Männer abhanden gekommen. Wir rechnen auf und mit Männern ab, wo immer es uns möglich ist, als wäre das weiblicher Lebensinhalt geworden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist als Frau, aus dieser Nummer rauszukommen. Aber es geht! Wer in Männern nicht Menschen sieht, die aufgrund ihres Geschlechtes diskriminiert werden und Gewalt erleiden können, der erscheint mir emotional hartherzig, engstirnig und borniert gegenüber einer Hälfte unserer Gesellschaft geworden zu sein. Was wir Frauen für uns fordern, sollte Jungen und Männern ebenfalls zustehen – z. B. ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben. Mich wundert, dass manche Männer so viel Hass von Frauen aushalten können. Mich wundert auch, dass von Männern seit Jahrzehnten kaum Gegenworte oder Gegenwehr kommt.

MANNdat: Ich denke, Männer werden dazu erzogen, zu funktionieren und nicht zu klagen. Die angeblichen „neuen Wege“, hat ja, wie schon erwähnt, die Legalisierung von Köperverletzung an Jungen eindeutig als Lüge entlarvt. Außerdem gibt es genügend Männer, die die feministischen Stereotype „Frauenopfer – Männertäter“ voller Inbrunst verteidigen. Wie Sie im Buch dargelegt haben, haben gerade diejenigen, die Ihnen mangelhafte Kommunikationsbereitschaft vorwarfen, gar nicht mit Ihnen gesprochen. Wie passt das zusammen?

Monika Ebeling: Ignoranz ist eine starke Waffe, nicht nur im Geschlechterkampf. Die meisten Männer haben irgendwann einmal mit dieser Waffe bereits Bekanntschaft gemacht. ´Ich möchte mit dir darüber nicht mehr reden´ ist eine wirkungsvolle Phrase. Das funktioniert im Familienalltag genauso gut wie vor und nach einer Trennung, im Sorgerechtsstreit oder bei Umgangsverweigerung. Dann ist die Rede davon, dass die Mediation abgebrochen wurde oder die Eltern zerstritten seien. Heute ist es sehr leicht für eine Frau, diese Nummer abzuziehen. In anderen Ländern bekommt derjenige, der nicht mehr reden will, die Macht der Gesetze zu spüren und ihm droht der Sorgerechtsentzug. Das kommt mir gerecht vor.

MANNdat: Rein theoretisch waren Sie als Gleichstellungsbeauftragte weisungsunabhängig. Aber was nutzt das, wenn, wie in Ihrem Fall, die Politik eine Gleichstellungsbeauftragte einfach abberufen kann, wenn ihr deren Themenschwerpunkte nicht passen?

Monika Ebeling: Der Rat der Stadt Goslar hat in meinem Fall zum stärksten Mittel, nämlich der Abberufung, gegriffen. Mir zeigt das, wie dringend es den Frauennetzwerken war, mich loszuwerden, wie viel Macht diese Kreise haben, und dass sich Politiker von dieser Ideologie weitgehend instrumentalisieren lassen. Einige Leute in Goslar müssen sehr viel Angst gehabt haben. Die Kommunalpolitiker hätten sich aber auch bei den Landes- oder Bundespolitikern schlau machen können. Vielleicht wäre es ihnen dann gelungen, mit mir über gleichstellungspolitische Ziele für die Stadt Goslar ins Gespräch zu kommen. Die Politik hätte inhaltlich diskutieren können und daraus Anträge und Aufträge ableiten können. Es blieb aber bei Schwarz-Weiß-Malerei. Hopp oder topp, bleiben oder gehen.

MANNdat: Aber genau diese Landes- und Bundespolitiker haben Sie ja, als es darauf ankam, im Stich gelassen. Warum, glauben Sie, haben Sie so wenig Unterstützung von den Politikern erhalten, die genau das predigen, was Sie getan haben, nämlich die Anliegen von Jungen und Männern in die Gleichstellungspolitik einzubeziehen?

Monika Ebeling: Die derzeitige Gleichstellungspolitik ist fest in weiblicher Hand und wird weitgehend parteienübergreifend getragen oder geduldet. Sie ist zentralistisch organisiert und staatlich subventioniert. Eine Widerrede kommt im Moment noch einer Majestätsbeleidigung gleich und weckt den Kampfgeist der Lobbyistinnen. Mir haben die frischen Ansätze von Frau Bundesministerin Schröder und einiger Bundespolitikerinnen aus FDP und CDU, mit denen ich persönlich sprach, gefallen. Durch alle Gesetze, die mir als Gleichstellungsbeauftragte zur Verfügung standen, sah ich mich in meinem Arbeitsansatz, mich um beide Geschlechter zu bemühen, bestätigt. Ich behaupte, dass einseitig parteiliche Gleichstellungspolitik und -arbeit, wie sie heute allerorts praktiziert wird, gesetzeswidrig und verfassungswidrig sein könnte.

MANNdat: Die Frauenpolitik wollte ursprünglich die Beseitigung geschlechterspezifischer Diskriminierung. Mittlerweile ist die Frauenpolitik dabei, immer neue Diskriminierungen des männlichen Geschlechts gesetzlich festzuschreiben. Bestes Beispiel ist die Frauenquote, bei der ein gering verdienender alleinerziehender Vater ebenso diskriminiert werden soll wie ein kinderloser hochbezahlter Topmanager. Umgekehrt soll die kinderlose, gut situierte Managerin ebenso privilegiert werden wie eine alleinerziehende Mutter. Hat sich die Frauenpolitik von einer Gleichberechtigungsbewegung zu einer reinen Privilegierungslobby ohne Maß verwandelt?

Monika Ebeling: Ja.

MANNdat: Die wohl niederträchtigste Art, Sie zu diffamieren, war, Sie in die rechtsradikale Ecke zu schieben. Personen, die jungen- und männerfreundliche Leute übel diskreditieren, um sie so aus dem öffentlichen geschlechterpolitischen Diskurs auszugrenzen, sind leider kein Einzelfall, sondern mittlerweile typisch für Hardliner-Feministen und -Feministinnen und vermutlich Teil einer verabredeten Strategie. Alle, die den Feminismus nicht lieben, sind rechtsradikal, so wird suggeriert. Dabei ist die Thematisierung von Benachteiligungen von Jungen und Männern, insbesondere die Forderung nach mehr Empathie gegenüber männlichen Gewaltopfern, alles andere als rechtsradikal, sondern entspricht sogar dem Genderansatz. Warum, glauben Sie, ist der Feminismus nicht kritikfähig, ja sogar so fanatisch gegenüber Kritikern?

Monika Ebeling: Kritik zu ertragen ist eine Frage der Reife und des Selbstbewusstseins. Wenn man ein passables ´standing´ hat, dann wird man mit Kritik umgehen können. Umgekehrt: Wer nicht sachlich argumentieren kann, der versucht halt zu diffamieren. Die feministische Ideologie ist weitgehend instabil geworden. Sie ist inzwischen ein Kartenhaus. Darum müssen ihre Chefideologen und Lobbyisten mit Kritik unsachlich umgehen. Ich weise auf jeden Fall jeden in diese Richtung gegen mich erhobenen Vorwurf von mir und sende ihn zurück an den Absender!

MANNdat: Der Feminismus hat es geschafft, die Frauenbewegung für sich zu vereinnahmen, obwohl es deutliche Unterschiede zwischen beiden gibt. Die Frauenbewegung wollte mehr Eigenverantwortung für Frauen. Der Feminismus lehnt Eigenverantwortung für Frauen ab und schiebt die Schuld für Widrigkeiten, die Frauen widerfahren, grundsätzlich „den Männern“ zu. Die Frauenbewegung wollte mehr Selbstbestimmung für Frauen. Der Feminismus will genau vorschreiben, wie viele Frauen welchen Beruf auszuüben haben. Warum hat sich die Frauenbewegung vom Feminismus so einfach vereinnahmen lassen?

Monika Ebeling: So einfach war das ja nicht. Zu jener Zeit standen den Frauen keine tatkräftigen Männer zur Seite, die kooperativ, beratend und ausgleichend hätten hilfreich sein können. Im Wischi-Waschi der 68er und mit dem Ballast zweier Weltkriege im Gepäck war, was geschah, ein feministischer Staatsstreich. Daran haben viele einen Beitrag geleistet, weshalb das alles nicht nur eine ´Frauenfrage´ oder ´Geschlechterdebatte´ ist. Wir müssen endlich anerkennen, dass  es sich hier nicht um ´Gedöns´  handelt, wie es Altkanzler Schröder einmal formulierte. Inzwischen ist der Geschlechterkrieg keine Privatsache, sondern er wuchert  in unserer Gesellschaft wie ein Krebsgeschwür.

MANNdat: Sollten sich die Frauen vom Feminismus emanzipieren?

Monika Ebeling: Unbedingt! Wir können die feministischen Scheuklappen einfach ablegen. Das fühlt sich richtig gut an. Es gibt so viel wundervolles Frauenleben jenseits dieser feministischen Autobahn. Ich will damit jedenfalls nichts mehr zu tun haben. Wenn manche diesen Weg immer noch für den richtigen halten, dann sollen sie ihn gehen, aber aus privater Kraft.

MANNdat: Sie plädieren in Ihrem Buch für einen neuen Feminismus. Ein Charakteristikum des Feminismus ist ja seine Jungen- und Männerfeindlichkeit.

Beispiele:
Valerie Solanas: „Tief in seinem Inneren weiß jeder Mann, dass er ein wertloser Misthaufen ist.“
Marianne Grabrucker: „Die Anerkennung der Mädchen kann nur auf Kosten der kleinen Buben geschehen.“
EMMA: „Wenn wir wirklich wollen, dass es unsere Töchter einmal leichter haben, müssen wir es unseren Söhnen schwerer machen.“
Luise Pusch: „Buben sollten Wunden zugefügt werden, wenn sie sich frauenfeindlich verhielten.“
Louise Chermin
:“Männer sind unsere Feinde.“
Marylin French: „Männer sind Nazis durch und durch; ihr Tod ist also historisch gerechtfertigt.“
Maureen Green: „Ein toter Vater ist Rücksicht in höchster Vollendung.“
Catharine McKinnon:
„Jeder Geschlechtsverkehr, sogar einvernehmlicher Geschlechtsverkehr zwischen einem verheirateten Paar, ist ein Gewaltakt, der gegen eine Frau verübt wird.“

MANNdat: Der politische Feminismus hat sich von diesen radikalen Aussagen nie distanziert, sondern kokettiert ja auch mit dieser Misandrie.

Beispiele:
Cornelia Pieper (FDP): „Männer sind halbe Wesen“
Philipp Mißfelder (CDU): „Wir setzen uns dafür ein, die Wehrpflicht zu einer allgemeinen Dienstpflicht für Männer weiterzuentwickeln.“
SPD-Grundsatzprogramm:„Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.“

MANNdat: Glauben Sie wirklich, dass es einen Feminismus geben kann, der nicht jungen- und männerfeindlich ist und wie kann der aussehen?

Monika Ebeling: Indem wir die Jungen- und Männerfeindlichkeit anerkennen, geben wir den Feminismus, die einseitige Parteilichkeit für Frauen und die aktuelle Gleichstellungspolitik auf. Das wäre ein riesiger Schritt, vor dem man sich nicht nur in Goslar fürchtet. Das käme nämlich einem Paradigmenwechsel gleich. Den Einen macht das Angst, die Anderen sehnen diesen Wechsel herbei. Eigentlich sind wir schon mitten drin in diesem Paradigmenwechsel. Jede Bewegung fordert eine Gegenbewegung heraus. Nach dem Männerhass könnte sich nun der Frauenhass breit machen. Wir Frauen sollten klug sein und diesen Hass durch ideologische Borniertheit nicht weiter herausfordern.
Argumentationsketten machen auf mich z. B. keinen Eindruck mehr, wenn argumentiert wird, dass ein Körperteil bereits verdächtig macht, frei nach dem Motto: Wie die Nase des Mannes, so sein Johannes. Sie schnappen sich das männliche Geschlechtsteil, die Männlichkeit und damit gleich den ganzen Mann und wollen diese allesamt in die ewigen Jagdgründe schicken.

MANNdat: Werner Schneider formulierte das einmal so: „Feministinnen zäumen die Sache vom Schwanz her auf.“ Die feministische Männerbewegung, die sich paradoxerweise „emanzipatorisch“ bezeichnet, orientiert sich nach den Vorgaben der Frauenpolitik und des Feminismus. Kann eine Männerbewegung, die sich nach den Wünschen der Frauen und der Frauenpolitik ausrichtet, wirklich emanzipierte Männer hervorbringen?

Monika Ebeling: Warum glauben Sie, haben Frauen die Männer an dieser Stelle ausgeschlossen und sich männerfreie Zonen geschaffen? Frauen wollen keine männliche Einmischung, wenn es um ihre Emanzipation und Selbstverwirklichung geht. Diese soll sich jenseits männlicher Vorgaben vollziehen. ´Feministische Männer´ erscheinen mir übereifrig. Ich wundere mich, warum sie so willfährig sind. Sie machen Bücklinge und schauen von unten zu Frauen herauf. Vielleicht hängt das mit deren Sozialisation zusammen oder mit traumatischen Ereignissen. Männer täten gut daran, sich ebenfalls unter Ausschluss der weiblichen Öffentlichkeit zu emanzipieren. Für mich ist das eine logische Konsequenz aus den eigenen Forderungen der Frauenbewegung.

MANNdat: Sie werden einen Vortrag am 3.11. auf dem Internationalen Antifeminismuskongress in Zürich halten. Auf Antifeminismuskongressen haben ja auch schon profeministische Redner gesprochen. Umgekehrt wären feminismuskritische oder gar antifeministische Redner auf einem feministischen Kongress, wie vor kurzem beim „Männerkongress“ in Berlin, undenkbar. Sind Antifeministen offener, diskurs- und kritikfähiger als Feministen?

Monika Ebeling: Es ist toll, dass ich meinen Text  ´Wehrt euch´ genau am Weltmännertag  Männern (und vielleicht auch ein paar Frauen) vortragen kann. Der 3.11. ist ja jener Männertag, der von Gorbatschow initiiert wurde und Männergesundheit ins öffentliche Bewusstsein bringen will, nicht wahr.

Seit ich mit Männern und Männergruppen kooperiere, habe ich viel dazu gelernt. Einige dieser Männer sind rhetorisch richtig gut, andere glänzen mit ihrem Fachwissen und wieder andere können Lebensberichte erzählen, die einen wirklich berühren können. Bei mancher Betroffenheit, die da auch zu Tage kommt, sind das lebendige und sehr erfrischende Kontakte und manche Freundschaft habe ich auch noch dazugewonnen.

Ein Männerkongress in Berlin? Ist ja fast schon inflationär, schon wieder ein Männerkongress! Hatten wir nicht erst vor wenigen Wochen einen an der Uni Düsseldorf –  und nun noch einen in Berlin. Sind das nicht herrliche Zeiten. Wenn wir so weiter machen, dann müsste der nächste Männerkongress wohl spätestens zu Beginn des Jahres 2013 stattfinden und mindestens in einer Großstadt wie Frankfurt oder Hamburg. Da decken wir dann mal den öffentlichen und andauernden Sexismus gegen Männer auf. Schauen Sie sich doch z. B. einmal die Homepages von Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an, da stellen sich einem die gleichstellungspolitischen Nackenhaare auf.

Die Bundesministerin hat übrigens dem Männerkongress in Düsseldorf ein Grußwort zukommen lassen und von zwei Herzen in ihrer Brust geschrieben. Sie muss mit dieser Zerrissenheit leben lernen. Ich weiß nicht, ob man gut schläft, wenn man mit der einen Hand Frau Schwarzer subventioniert und mit der anderen eigenständige Jungen- und Männerpolitik umsetzen will.

MANNdat: Sie sprachen von den Homepages der Gleichstellungsbeauftragten. Schaut man sich die Internetpräsenz von einigen kommunalen Gleichstellungsstellen an, zeigt sich schnell, dass Gleichstellungsbeauftragte auch heute noch vorwiegend als reine Frauenvertreterinnen agieren. Warum ist in der Gleichstellungsarbeit in den Kommunen so wenig Empathie für die berechtigten Anliegen von Jungen und Männern vorhanden?

Monika Ebeling: Ja, die Internetseiten von Gleichstellungsbeauftragten strotzen nur so von einseitiger Parteilichkeit. Dort werden manchmal versteckt und erschreckend oft sehr offen Männer diskriminierende Inhalte und Vorurteile gegen Jungen, Männer und Väter verbreitet. Das sollte eigentlich verboten sein. Gleichstellungsbeauftragte lassen sich häufig von den Frauennetzwerken dominieren. Das ist ja der Kernpunkt meines Falles. Ich wollte mir von ein paar in die Jahre gekommenen Altemanzen und ideologiebesessenen Trockenfeministinnen nicht vorschreiben lassen, wie ich zu arbeiten habe.

MANNdat: Haben Sie auch positive Beispiele von Ihren ehemaligen Kolleginnen bezüglich der Berücksichtigung von Jungen- und Männeranliegen vernommen?

Monika Ebeling: Es gibt einige Kolleginnen, die versuchen, beide Seiten zu sehen. Aber da schwingt oft die Angst mit, es sich mit ´den Emmas´ vor Ort zu verderben. Sie sehen ja, was passieren kann, wenn man diesen ´Emmas´ auf den feministischen Schlips tritt. Manche Kollegin ist bereits seit Jahren oder Jahrzehnten im Amt. Für die käme es einem Mauerfall, einer Wende gleich, wenn sie sich weiterentwickeln und neu aufstellen müsste. Mir gefiel dieses Milieu ganz und gar nicht. Ich finde es unglaubwürdig, schlecht durchdacht und schädlich. Deshalb habe ich nicht geschwiegen, bin aktiv am Ball geblieben und habe meine Abberufung in Kauf genommen.

MANNdat: Glauben Sie, dass der Abberufungs- und Vernichtungsfeldzug gegen Sie andere Gleichstellungsbeauftragte abschreckt, sich für Jungen- und Männeranliegen einzusetzen?

Monika Ebeling: Nein, abschreckend ist nicht meine Abberufung, sondern das Verhalten jener, die dazu beigetragen haben. Gleichstellungsbeauftragte sollten durch meinen Fall ins Nachdenken gekommen sein. Sie sollten Mut zur Gegenwehr gegen diese fundamentalistischen Netzwerke gefunden haben. Auf jeden Fall müssen sich Gleichstellungsbeauftragte Verbündete und Netzwerke jenseits der einseitigen Parteilichkeit aufbauen. Ratsleute sollten sich nicht instrumentalisieren lassen. Der Rat einer Kommune ist es doch, der eine Gleichstellungsbeauftragte beruft. Diese politische Macht sollte genutzt werden, um die Gesellschaft weiter zu bringen. Ratsleute sollten fundamentalistische Gleichstellungsbeauftragte abberufen und frischen Wind in die Verwaltung lassen.

MANNdat: Die FDP in Goslar hat ja die Kampagne gegen Sie für ihren Wahlkampf benutzt. Hat es ihr genutzt?

Monika Ebeling: Ich wurde von der FDP zum Feindbild hochstilisiert. Das wird jedoch nicht zum Erhalt der kleinen Dorfschule beitragen. Der Kindergarten wird auch nicht plötzlich wieder voll belegt sein, nur weil Frau Ebeling ihn nicht mehr leitet. Die FDP vor Ort hatte einfach nicht den Mumm, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen und dies auch den Wählerinnen und Wählern einsichtig zu machen. Dem Stadtteil droht, was andere auch nicht aufhalten können, der demografische Wandel. Man hat sich durch dieses widerwärtige Verhalten mir gegenüber selbst geschadet. Ich habe mit Bürgern und Bürgerinnen im Stadtteil gesprochen, die richtig Angst hatten vor dieser Übermacht weniger Leute. Einige dieser Bürger wollten sich auf meine Seite stellen, meinten aber, dies aus Gründen der beruflichen oder privaten Abhängigkeit von FDP-Politikern nicht tun zu können. Ich denke, die Fraktion hat sich insgesamt keinen Gefallen damit getan, auch noch nachzutreten. Die FDP in Goslar hat Ratsmandate verloren und nicht nur das. Einige dieser politischen Aktivisten haben an Ansehen verloren und die dunkle Seite ihrer Persönlichkeit öffentlich zur Schau getragen.

MANNdat: Das spricht für die Bürger in Goslar. Was hat beim Schreiben des Buches überwogen – die Erleichterung, sich das Geschehene von der Seele zu schreiben oder das erneute Durchleben der Attacken auf Ihre Person?

Monika Ebeling: Das war ein anstrengendes Manuskript für mich. Das Schreiben war Teil eines psychischen Prozesses und der Aufarbeitung. Das erste Manuskript hatte viel zu viele Seiten und war voller Details und auch mancher Anklage. Es war der erste Aufguss und keinesfalls für die Öffentlichkeit geeignet. Innerhalb weniger Wochen konnte ich eindampfen, versachlichen und für die breite Öffentlichkeit lesbar machen. Einerseits ist mein Buch meine persönliche Geschichte, andererseits steckt darin aber auch eine Tragweite und Dynamik, die ich nicht geahnt hatte. Ich kam mir in den letzten Jahren meiner Tätigkeit für die Stadt Goslar manchmal vor wie auf hoher See. Die Gischt im Gesicht, die Hand krampfhaft am Ruder, wegen der Wellen und des Sturmes kaum des Steuerns mächtig und in der Hoffnung nicht unterzugehen, am Ende zu überleben. Es war wirklich dramatisch.

MANNdat: Wenn Sie jetzt, mit Ihren heutigen Erfahrungen und Ihrem heutigen Wissen, wieder Gleichstellungsbeauftragte werden würden. Was würden Sie anders und was würden Sie wieder genauso machen?

Monika Ebeling: Diesen Job wollte ich schon damals gar nicht machen, aber ich hatte den Wunsch, mich beruflich weiterzuentwickeln. Da kam die Anfrage meines Arbeitgebers genau richtig. Ich plante diese Tätigkeit drei Jahre zu machen und dann mal zu schauen, was sich noch entwickeln könnte, ob ich darauf aufbauen könnte. Einer solchen Anfrage werde ich niemals mehr nachgeben und ich würde auch jedem anderen Menschen abraten, sich von diesem einseitig parteilichen System kaufen und vereinnahmen zu lassen. Unsere Republik kann auf die etwa 900 kommunalen Gleichstellungsbeauftragten sehr gut verzichten. Sie haben gleichstellungspolitisch versagt. Meine Geschichte sollte Beweis genug sein.

MANNdat: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Die Gleichberechtigungsfalle
Autorin: Monika  Ebeling
Verlag: Herder Verlag, 200 Seiten
Preis: 16,99 €

 Mehr über das Buch können Sie hier erfahren.

 Unsere Rezension des Buches können Sie hier lesen.

 Mehr über Monika Ebeling und die „Hexenjagd in Goslar“ können Sie hier lesen.

(c) Bildquelle: Monika Ebeling

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