Wie viel Boys´ Day steckt im Girls´ & Boys´ Day?

von Dr. Bruno Köhler

Kaum Boys´ Day-Plätze im erzieherisch-pädagogischen Bereich!

Laut Statistischem Bundesamt (Destatis: Allgemeinbildende und berufliche Schulen /Schulen und Klassen nach Schularten) gab es in Deutschland ca. 134.323 Grundschulen, 35.379 Hauptschulen, 2.088 Schulkindergärten und 44.210 Realschulen.

Laut Arbeitspapier/Dokumentation „Kinderbetreuung in Deutschland – Ein Überblick: Krippen – Tagespflege – Kindergärten – Horte und Ganztagsschulen“, herausgegeben von der Konrad-Adenauer-Stiftung, Nr. 144/2005, Christine Henry-Huthmacher, Sankt Augustin, Mai 2005, ISBN 3-937731-53-9, S. 14, Kapitel 6. „Angebotsstruktur der Kinderbetreuung – im Vergleich der Bundes-änder“, gab es zum Jahresende 2002 in Deutschland 47.279 Tageseinrichtungen für Kinder.

Das sind zusammen in Deutschland 263.279 Grundschulen, Hauptschulen, Kindergärten und Realschulen, also gerundet etwa 263.000. Diese Einrichtungen unterstehen den Ländern und den Kommunen. Diese Einrichtungen sind allesamt männerunterrepräsentiert. Jede einzelne dieser Einrichtungen könnte also Boys´ Day-Plätze zur Verfügung stellen. Würde jede nur einen Boys´ Day-Platz zur Verfügung stellen, gäbe das bundesweit 263.000 Boys´ Day -Plätze. In Wirklichkeit sind es aber lediglich 33.510 Plätze für Jungen. Berücksichtigt man, dass der Großteil der Jungenplätze im Pflegebereich angeboten wird, und dass dort, wo Plätze angeboten werden, teilweise auch mehr als ein Platz angeboten wird, folgt daraus:

Zwar gibt es sehr positive Beispiele von Kitas und Schulen, die Boys´ Day-Plätze anbieten, aber insgesamt bieten lediglich etwa 5 % der potentiellen Boys-Day-Platz-Anbieter Kitas und Schulen überhaupt Boys´ Day-Plätze an! Das eine sehr enttäuschende Bilanz und zeigt deutlich, wo die Defizite im Bereich der Jungenförderung liegen.

Das zeigt einerseits ein erhebliches Entwicklungspotential, andererseits aber auch, dass Kommunen und Länder ihrer Verantwortung gegenüber den Zukunftsperspektiven von Jungen nur zu einem sehr verschwindend geringen Teil nachkommen. Auch hier muss man der kommunalen Gleichstellungspolitik erhebliche Versäumnisse und damit Mängel in der Gleichstellungspraxis vorwerfen. Das erklärt vielleicht auch, weshalb sich viele Ländern sträubten oder immer noch sträuben, den Girls´ Day zum Girls´ & Boys´ Day weiterzuentwickeln. Weil dadurch die Vernachlässigung geschlechterspezifischer Förderung von Jungen offen zu Tage tritt.

Auch die Tatsache, dass Mecklenburg-Vorpommern einen eigenen Boys´ Day, separat vom Girls´ Day, anbietet, gibt interessante Einblicke. Nur etwa 10% der Schulen waren bereit, Jungen am Boys´ Day teilhaben zu lassen.

„Bislang hätten 31 Unternehmen sowie 79 Sozial- und Gesundheitseinrichtungen ihre Teilnahme zugesagt, teilte die parlamentarische Staatssekretärin für Frauen und Gleichstellung, Margret Seemann, am Dienstag in Schwerin mit. Der Zuspruch der Schulen halte sich hingegen in Grenzen: Bislang habe nur jede zehnte der rund 300 infrage kommenden Schulen ihre Teilnahme angekündigt. «Es ist sehr schwer, die Schulen zur Teilnahme am JungsTag zu motivieren», sagte Seemann.“ (Quelle: Online-Artikel der Ostseezeitung vom 23.8.2011 „Nur jede zehnte Schule beim ersten »JungsTag MV«.“) Das lässt deutlich erkennen, wie gering die Motivation der Schulen für Jungenförderung ist.

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