Karin Prien (CDU) und die Männerfrage – Teil 1

von Manndat
Karin Prien (CDU) und die Männerfrage – Teil 1

„Jungs dürfen nicht zu den Verlierern unserer Gesellschaft gehören“, meint Frau Prien. Das verwundert, haben doch Politik und Gesellschaft Jungen über Jahrzehnte hinweg zu Verlierern gemacht. Was steckt hinter Priens plötzlichem Empathieschub für Jungen?

Die Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will junge Männer mehr unterstützen. Dafür sei auch Geld im Haushaltsentwurf veranschlagt, sagte Karin Prien (CDU) im Bundestag. [1]

Der Haushaltsentwurf der Regierung veranschlagt für Priens Ministerium für das kommende Jahr 14,72 Milliarden Euro. Dabei sei es ihr wichtig, „dass wir in allen Politikbereichen Jungs und junge Männer besonders in den Blick nehmen“. Nun, dass Jungs vor allem von der Verteidigungspolitik durch die Rolle rückwärts zum Männerrollenbild des Kriegers durch die Rückkehr zur reinen Männerwehrpflicht von der Regierung in den Blick genommen werden, ist bekannt. Prien meinte aber auch: „Jungs dürfen nicht zu den Verlierern unserer Gesellschaft gehören“, meint Frau Prien.

Die Fakten zur Situation der männlichen Jugendlichen in Deutschland

Dies verwundert in zweifacher Hinsicht. Die CDU kann als die jungenfeindlichste Partei Deutschlands angesehen werden, wenn man das Abstimmungsergebnis zur Legalisierung von Körperverletzung an Jungen durch Beschneidung aus dem Jahr 2012 betrachtet. Mit über 90 % der abgegebenen Stimmen war die CDU diejenige Partei, die die Legalisierung dieser Form von Körperverletzung am meisten befürwortete. [2]

Am Rande: Ein Jahr später hat der gleiche Bundestag übrigens jegliche Form der Verstümmelung weiblicher Genitalien unter Strafe verboten. Maximaler geht Sexismus nicht mehr.

Es ist schon überraschend, dass ausgerechnet eine Jugendministerin der jungenfeindlichsten Partei Deutschlands nun plötzlich ihr Mitgefühl für Jungen entdeckt. Ein echtes ehrliches Umdenken in der CDU wäre aber gut und wichtig. Denn Jungen sind schon lange die Verlierer in unserer Gesellschaft. Da reicht ein einfacher Blick auf die konkreten Zahlen.

Je geringer der formale Schulabschluss, desto höher der Männeranteil. Im Abgangsjahr 2023 waren unter den 259.200 Absolventen mit Allgemeiner Hochschulreife an allgemeinbildenden Schulen nur 45 % Männer. Der Männeranteil beim geringsten Schulabschluss – ein allgemeinbildender Abschluss der Sekundarstufe I, der üblicherweise am Ende der 9. Klasse erworben werden kann – betrug dagegen 59 %. [3]

Bei den Schulabbrechern, also bei den Jugendlichen ohne Schulabschluss, betrug der Männeranteil 60 %. [4]

Die Arbeitslosenquote von Männern ist durchgängig höher als die von Frauen. Die männliche Arbeitslosenquote war 2024 etwa 11 % höher als die weibliche. [5]

Der Anteil der jüngeren Männer unter 25 Jahren ist mit 10 % aller arbeitslosen Männer in Vergleich zum entsprechenden Anteil bei den Frauen (8 %) sogar um 25 % Prozent höher. [6] [7]

Im Jahr 2023 waren Männer mit 55 % stärker bei der Langzeitarbeitslosigkeit vertreten als Frauen. [8]
Fast Dreiviertel der Suizidopfer sind Männer. [9]

Es braucht nicht mehr „Gender Gaps“ zuungunsten von Jungen und männlichen Jugendlichen, um zu erkennen, dass Jungen schon lange die Verlierer in unserer postmodernen Gesellschaft sind. Diese Gender Gaps werden in den offiziellen Gleichstellungsberichten zwar gar nicht erwähnt oder sie werden als Erfolgsindikator für die Frauenförderpolitik positiv gesehen. Doch die politisch Verantwortlichen werden regelmäßig über die Situation von Jungen, Vätern und Männern informiert, u. a. durch MANNdat. Also sie kennen die Zahlen und sie tun nichts dagegen. Und Tatsachen werden dadurch, dass man sie einfach ignoriert und stattdessen den Kopf in den Sand steckt, nicht aus der Welt geschafft.

Jungen sind aber nicht nur Verlierer unserer Gesellschaft. Vielmehr wurden und werden Jungen von Politik und Gesellschaft seit Jahrzehnten zu Verlierern gemacht.

Wie die Politik Jungen zu Verlierern gemacht hat

Politik und Gesellschaft haben seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts Mädchen gefördert, vorangebracht und ihnen gezeigt, dass sie sich auf uns als Erwachsene verlassen können, wenn sie Hilfe brauchen. Ab Ende der 80er Jahre gab es, ausgehend von Frauenministerien und Frauenbeauftragten, von der kommunalen bis zur bundespolitischen Ebene eine flächendeckende Mädchenförderung.

Das gezielte Fördern von Mädchen beinhaltete auch, Jungen gezielt zu schaden. So schrieb Marianne Grabrucker in „Typisch Mädchen“ 1985: „[…] die Anerkennung der Mädchen kann nur auf Kosten der kleinen Buben geschehen“. In der Frauenzeitschrift EMMA hieß es 1986: „Wenn wir wirklich wollen, dass es unsere Töchter einmal leichter haben, müssen wir es unseren Söhnen schwerer machen“. [10]

Politik und Gesellschaft haben Jungen deshalb aus der Förderung ausgegrenzt, zurückgelassen und auf die Rolle der Privilegierten – die pauschal zu dekonstruieren seien – und „Täter“ reduziert und Männlichkeit pauschal abgewertet, wenn nicht gar pathologisiert.

In den 90er Jahren manifestierten Gleichstellungsgesetze eine Ausrichtung der Geschlechterpolitik auf die „Frauenquote“, indem frauenspezifisch einzelfallbezogene Quoten in Behörden eingeführt wurden. Die „Bilanz der Chancengleichheitspolitik der Landesregierung (1998 – 2001)“ in Sachsen-Anhalt ist typisch für die Zeit. Sie führte über 30 Frauen- und Mädchenförderprogramme auf, aber kein einziges Jungenförderprojekt. Einzige Ausnahme ist eine Beratungsstelle für gewalttätige männliche Jugendliche und Männer. [11]

Heute gibt es in vielen Bereichen durch Frauenquoten gesetzlich pauschalisierte Männerdiskriminierung bei der Berufswahl.

Waltraud Cornelißen, Leiterin der Abteilung Geschlechterforschung und Frauenpolitik des Deutschen Jugendinstitutes München, bestritt in der Frankfurter Rundschau am 30.07.2003 keineswegs, dass die zunehmende Feminisierung des Bildungswesens durchaus „die sprachliche Entwicklung von Jungen“ hemme. Aber nach ihrer Meinung sei dies gerechtfertigt, um Mädchen bessere Chancen im Beruf zu geben. Jungenbenachteiligung wurde als Mädchenfördermittel gerechtfertigt. Und von der ersten Studie „Viele Welten Leben“ des Bundesfamilienministeriums aus 2004, in der ausschließlich die geschlechtsspezifischen Integrationsprobleme weiblicher Migrantenjugendlicher beschrieben und analysiert werden, bis zum Integrationsplan 2020 der Bundesregierung bleiben männliche Migrantenjugendliche aus der geschlechtersensiblen Integrationsförderung ausgeschlossen. [12]

Und dabei ist es bis heute geblieben. Mädchen werden gefördert und vorangebracht, Jungen ausgrenzt und zurückgelassen. Zahlreiche Studien belegen seit 30 Jahren regelmäßig, dass Jungen bei gleichen schulischen Leistungen schlechtere Noten erhalten als Mädchen. Eine Beschwerde des geschlechterpolitischen Vereins MANNdat e.V. aus dem Jahr 2012 bei der Antidiskriminierungsstelle bezüglich dieser Benachteiligung und Bitte um Unterstützung bei deren Beseitigung wurde von der Antidiskriminierungsstelle im Namen der damaligen Leiterin Frau Lüders abgelehnt. Man sah sich nicht zuständig. [13]

Männer werden heute bei Bewerbungsgesprächen benachteiligt, wie eine umfassende Metastudie bestätigt. [14]

In Niedersachen wurde 2025 ein neues Gleichstellungsgesetz verabschiedet, dass Gleichstellung nur noch für Frauen gilt. DGB und Landesfrauenrat begrüßen das ausdrücklich. [15]

Und wenn man Mädchen fördert und voranbringt und gleichzeitig Jungen ausgrenzt und zurücklässt, ist klar, dass zunehmend Jungen in ihrem Lebenswerk scheitern werden. Aber Menschen, die in unserer Gesellschaft scheitern, sind unsere sozialen Probleme der Zukunft und diese kosten Geld. Das war der Politik seit Anfang dieses Jahrtausends bekannt und wurde so in Kauf genommen.
Im zweiten Teil belegen wir, dass die Politik schon Anfang des Jahrtausends über die Folgen ihrer Politik aufgeklärt wurde, zeigen auf, welche Rolle das Bundesforum Männer dabei spielte und welche Empfehlungen wir Karin Prien geben, wenn sie wirklich Jungen aus dem Abseits wieder mit ins Boot holen will.

Im zweiten Teil werden wir darlegen, dass die Politik schon Anfang des Jahrtausends über die Folgen ihrer Politik aufgeklärt wurde, zeigen auf, welche Rolle das Bundesforum Männer dabei spielte und welche Empfehlungen wir Karin Prien geben, wenn sie wirklich Jungen aus dem Abseits wieder ins Boot holen will.

Quellen

[1] https://www.welt.de/politik/deutschland/article68d5523f24619b7e72e4fd34/Ministerin-Prien-Jungs-duerfen-nicht-zu-den-Verlierern-unserer-Gesellschaft-gehoeren.html; Abruf 15.10.2025 
[2] https://manndat.de/geschlechterpolitik/bundestag-maennliche-beschneidung-und-viele-offene-fragen.html; Abruf 17.10.25
[3] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/04/PD25_N014_212.html; Abruf 15.10.2025
[4] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2023/maerz/anteil-der-jugendlichen-ohne-schulabschluss-seit-zehn-jahren-auf-hohem-niveau, Abruf 15.10.2025
[5] https://manndat.de/fakten-und-faltblaetter/maenner-und-arbeitslosigkeit-2024-2025-und-die-rentenfrage.html; Abruf 15.10.2025
[6] https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Frauen-und-Maenner/generische-Publikationen/Frauen-Maenner-Arbeitsmarkt.pdf?__blob=publicationFile, Seite 20; Abruf 15.10.2025
[7] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/Tabellen/suizide.html, Abruf 15.10.2025
[8] https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Langzeitarbeitslosigkeit/generische-Publikationen/Langzeitarbeitslosigkeit.pdf?__blob=publicationFile, Abruf 15.10.2025
[9] https://manndat.de/mannstat/eu-maennerbericht-teil-5-selbstmordraten.html, Abruf 15.10.2025
[10] siehe Schmauch, U.: Was geschieht mit den kleinen Jungen? – Ein persönlicher Blick auf die Entwicklung des Jungenthemas von den 70er Jahren bis heute. In: Rose, L./Schmauch, U. (Hrsg.): Jungen – die neuen Verlierer? Königstein/Taunus: Ulrike Helmer Verlag,2005, S. 29
[11] „Studie über die Berücksichtigung jungenspezifischer Belange in den für Bildung zuständigen Ministerien in Deutschland“,  https://manndat.de/wp-content/uploads/2009/01/bewertung_bildungsministerien.pdf, S. 12; Abruf 15.10.2025
[12] https://manndat.de/jungen/bildung/was-der-bildungsbericht-verschweigt-teil-4-auslaendische-jungen.html; Abruf 15.10.2025
[13] https://manndat.de/jungen/bildung/was-der-bildungsbericht-verschweigt-teil-5-1-schlechtere-benotung-bei-gleichen-leistungen.html; Abruf 15.10.2025
[14] https://manndat.de/fakten-und-faltblaetter/studie-frauendiskriminierung-weg-maennerdiskriminierung-verfestigt.html; Abruf 15.10.2025
[15] https://manndat.de/geschlechterpolitik/niedersachsen-wirft-maenner-aus-gleichberechtigungsgesetz-raus.html; Abruf 15.10.2025

Quelle Beitragsbild: weinender-junge-in-truemmern-adobestock_265131626-von-hanna

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