Männergesundheit – (k)ein Thema?

von Dr. Bruno Köhler

Jungengesundheit

Jungen sterben 1,5mal häufiger durch Verletzungen, Vergiftungen und Unfälle als Mädchen. Sie ent­wickeln sich im Säuglings-und Kleinkindalter tendenziell langsamer und haben häufig ein größeres Bewegungsbedürfnis. Jungen stottern viermal häufiger und leiden achtmal häufiger an einem hyper­aktiven Syndrom oder an ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) als Mädchen. Bei den meisten psy­chischen und psychosomatischen Störungen sind Jungen überrepräsentiert. 60 % der Schüler an Förderschulen sind Jungen. Sie sind häufiger von Allergien und Adipositas betroffen. Magersucht und Bulimie bei Jungen nehmen zu. Sechsmal mehr Jungen als Mädchen erkranken an Magen-und Darmgeschwüren. Doppelt so viele Jungs wie Mädchen leiden an Asthma. 1,7mal mehr Jungen ster­ben an Krebs. Jungen sind überdurchschnittlich häufig Opfer körperlicher Gewalt.

Das Thema Gewalt gegen Jungen wird heute immer noch tabuisiert. Alkoholmissbrauch im Jugendal­ter ist vorrangig ein Jungenphänomen. Jungen zwischen 10 und 20 Jahren vollenden 3mal häufiger den Suizid als Mädchen.

Im allgemeinen zeigen sich Jungen aufgeschlossen für das Thema Gesundheit und offen für Präven­tion. Den meisten Jungen ist ihr Körper wirklich wichtig und sie widmen ihm die gebührende Aufmerk­samkeit.

Die Themen Gesundheit und Sexualität werden in der Öffentlichkeit bei Jungen im Gegensatz zu Mädchen stärker problembezogen angegangen, anstatt die positiven Aspekte zu beleuchten. Für die Förderung von Jungengesundheit sind deshalb wichtig:

  • Anerkennen der Bereiche, bei denen Jungen gesundheitsbewusst leben (Kompetenzansatz). We­niger vor Risikofaktoren warnen, sondern Vorsorgefaktoren fördern.
  • Auf die Lebenswirklichkeiten der Jungen eingehen, Eigenaktivität stärken.
  • Die Kompetenz, sich im Bedarfsfall Zugang zu Informationen zu verschaffen und gegebenenfalls Beratungsstellen oder Ärzte aufzusuchen, muss gestärkt werden.
  • Jungen zeigen Informationslücken vor allem im Bereich männliche Sexualität (weniger im Bereich weibliche Sexualität, Fortpflanzung, Schwangerschaft, Verhütung). Diese Lücken müssen beseitigt werden.

Das Verhältnis zwischen Prävention und Intervention ist auf Jungen hin neu zu bestimmen: Nicht erst reagieren, wenn gesundheitliche Probleme auftauchen und Krankheit chronisch geworden ist. Dies bedarf einer Beteiligung von Jungen aus allen Bevölkerungsgruppen und -schichten an präventiven Angeboten. Hauptschüler und Jungen mit Migrationshintergrund haben relativ höhere Gesundheitsrisiken.

Notwendig ist auch eine bessere Kooperation von Schulen und Jugendeinrichtungen mit Einrichtun­gen der Gesundheitsförderung und Medizin, um die Schwelle zur Inanspruchnahme ärztlicher Bera­tung zu senken. Schulen und Einrichtungen der Kinder-und Jugendhilfe brauchen eine bessere Ver­mittlungskompetenz. Die deutsche Gesundheitspolitik braucht ein jungen-und männerspezifisches medizinisches Kompetenzprofil. [10]

Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
Stichworte:

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte beachten Sie, dass Kommentare mindestens 5 und höchstens 1500 Zeichen haben dürfen.

Zitate können mit <blockquote> ... </blockquote> gekennzeichnet werden.

Achtung: Wenn Sie einen Kommentar von einem Smartphone verschicken, wird der Text manchmal von der Autofill-Funktion des Smartphones durch die Adresse ersetzt. Wenn Sie den Kommentar absenden, können wir den originalen Text nicht wiederherstellen.

Niemand mag Pop-ups!

Aber immerhin stehe ich nicht mitten auf der Seite. Wenn Sie sich für unseren Newsletter anmelden wollen, tragen Sie sich hier ein. Es lohnt sich!

Ihre Daten sind sicher! Die Email verwenden wir nur für den Newsletter. Sie können sich jederzeit abmelden.