Jordan Peterson im Interview mit Cathy Newman zum Lohngefälle zwischen Mann und Frau, zum Aktivismus an Universitäten und zur Postmoderne

von Gastbeiträge

Am 16. Januar 2018 strahlte Channel 4 des britischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks das mittlerweile schon klassische Interview zwischen Cathy Newman und Dr. Jordan Peterson aus. Um das ungeschnittene und turbulente Interview besser zugänglich zu machen, haben wir es ins Deutsche übersetzt. Der klinische Psychologe und Professor Jordan Peterson, dessen Ansicht zum Thema Geschlechtsidentität eine Welle der Kritik lostrat und ihm zugleich eine große Gefolgschaft im Internet verschaffte, spricht über das Lohngefälle, das Patriarchat und sein Buch „12 Rules for Life“.

Insbesondere sein kritischer und rationaler Ansatz zur Erörterung des Begriffs der Gleichberechtigung macht dieses Interview in einer Zeit, in der geschlechterpolitische Diskussionen zunehmend von Emotionen bestimmt werden, unverzichtbar.

Interviewerin: Cathy Newman
Befragter: Jordan Peterson

(Zur leichteren Bezugname auf das Video ist im Transkript für etwa alle drei Minuten der Zeitstempel eingetragen.)

(0:00 – 3:09)

Cathy Newman: Jordan Peterson, Sie sagen, Männer müssten „endlich erwachsen werden“. Wieso das?

Jordan Peterson: Nun, weil es nichts Schlimmeres gibt als ein ewiges Kind. Menschen, die nie erwachsen werden, finden nie den Sinn in ihrem Leben, der sie durch schwierige Zeiten bringt. Und sie werden zweifellos in schwierige Zeiten geraten. Aber ohne Lebenssinn entwickeln sie sich zu verbitterten, wütenden, feindseligen, rachsüchtigen, arroganten und trügerischen Menschen ohne Ziel und Antrieb, die sich selbst und anderen im Weg stehen und von Frauen abgelehnt werden. Niemandem ist damit geholfen.

Newman: Das klingt ziemlich schlimm.

Peterson: Es ist schlimm.

Newman: Sie sprechen ja auch von einer „Männlichkeitskrise“. Was kann man dagegen tun?

Peterson: Man hilft betroffenen Menschen dabei zu verstehen, warum es unerlässlich und wichtig ist, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen, und macht deutlich, dass es sich dabei nicht um den erhobenen Zeigefinger handelt, der einen dazu ermahnt, sich am Riemen zu reißen, sondern um eine Art Lebensentwurf, der das Leben lebenswert macht. Das ist es, was ich Männern sage, wobei sich meine Botschaft ursprünglich nicht ausschließlich an Männer richtete. Es hat sich nur so entwickelt.

Newman: Aber immerhin handelt es sich bei dem Großteil Ihrer Zuhörer um Männer.

Peterson: So ist es.

Newman: 90 % ihres Publikums sind männlich, nicht?

Peterson: Nun ja. Auf YouTube sind es 80 %. Und bei YouTube handelt es sich ja um eine vorwiegend von Männern genutzte Plattform. Es lässt sich also schwer sagen, ob sich überwiegend Männer von den Inhalten angesprochen fühlen, wenn man bedenkt, dass YouTube an sich bereits eine Männerdomäne ist … Was ich aber jungen Männern mitteilen möchte, ist, dass es einen triftigen Grund zum Erwachsenwerden gibt. Und der besteht darin, dass ein erwachsener Mensch etwas zu bieten hat. Menschen wohnt die Fähigkeit inne, die Welt ins Lot zu bringen. Und diese Fähigkeit ist unerlässlich, um seinen Platz in der Welt zu finden und einen Lebenssinn zu formulieren, der einem Kraft gibt.

Newman: Was ist denn dann schiefgelaufen?

Peterson: Oh Gott, alles Mögliche ist schiefgelaufen. Beispielsweise glaube ich, dass junge Männer nur selten ermutigende Worte zu hören bekommen, manche sogar ihr ganzes Leben nicht, soweit ich das beurteilen kann. Das ist zumindest das, was man mir sagt. Und die Tatsache, dass das, was ich sage, und die Vorlesungen, die ich auf YouTube zur Verfügung stelle, so großen Anklang finden, zeigt mir, wie sehr sich junge Männer nach Botschaften dieser Art sehnen. Denn warum in aller Welt sehen sie sich ausgerechnet eine Vorlesung auf YouTube an, um das zu hören? Weil ihnen sonst niemand sagt, dass es wichtig ist, sich weiterzuentwickeln.

Newman: Stört es Sie, dass Ihr Publikum überwiegend männlich ist? Ist das nicht etwas kontrovers?

Peterson: Nein, das würde ich nicht sagen. Es ist allenfalls so kontrovers wie die Tatsache, dass YouTube hauptsächlich von Männern genutzt wird. Und Tumblr –

Newman: Aber das ist doch ziemlich kontrovers.

Peterson: Tumblr wird hauptsächlich von Frauen genutzt.

Newman: Sie wollen also damit sagen, dass das nun mal so ist.

Peterson: Nein, damit will ich gar nichts sagen. Ich stelle nur fest, dass es so ist. Es gibt eine Menge Frauen, die sich meine Vorlesungen ansehen, sich meine Vorträge anhören und meine Bücher kaufen. Aber wie es der Zufall will, setzt sich mein Publikum zum Großteil aus Männern zusammen.

Newman: Und was haben Frauen davon?

Peterson: Nun, was macht denn einen guten Partner aus? Möchte man ein zu groß gewachsenes Kind? Oder möchte man jemanden, der einem gewachsen ist, zur Seite stehen haben, und auf den man sich verlassen kann?

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Lesermeinungen

  1. By Randy Sherman

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  2. By Mathematiker

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  3. By Riva

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  4. By Mathematiker

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    • By Matthias Enderle

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  5. By uepsilonniks

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