Jordan Peterson im Interview mit Cathy Newman zum Lohngefälle zwischen Mann und Frau, zum Aktivismus an Universitäten und zur Postmoderne

von Gastbeiträge

(14:50 – 17:50)

Newman: Ich werde noch etwas aus Ihrem Buch anführen. Sie sagen, das Argument „gleiches Geld für gleiche Arbeit“ erschwere Gehaltsvergleiche so sehr, dass jegliche Zweckmäßigkeit dabei verloren ginge. Der Grund dafür wäre der, dass niemand darüber entscheiden kann, welche Arbeit gleich ist. Meine Frage lautet also: Glauben Sie an Lohngleichheit?

Peterson: Dazu habe ich mich gerade eben geäußert. Das kommt darauf an, wer dies definiert.

Newman: Sie glauben also nicht an Lohngleichheit.

Peterson: *lacht* Das habe ich doch nie gesagt.

Newman: Ich meine, gehen wir jetzt plötzlich zurück ins Mittelalter?

Peterson: Sie hören mir nicht richtig zu. Sie projizieren nur Ihre eigenen Gedanken.

Newman: Ich höre nur, wie Sie sagen, dass Frauen einfach akzeptieren müssen, dass sie niemals gleichbehandelt werden. Dass sie nie „Ergebnisgleichheit“ erfahren, wie Sie es definiert haben.

Peterson: Nein, das habe ich nicht gesagt. Ich sagte, dass –

Newman: Wäre ich eine junge Frau, die hier zusieht, würde ich wohl sagen: „Na gut. Dann kann ich auch mit meinen Puppen spielen. Ich brauche mir gar keine Mühe in der Schule zu geben, da ich sowieso nie meinen Traumberuf bekomme. Schließlich sitzt da jemand, der sagt, dass ich es sowieso nicht schaffe, jemand, der sagt, dass es nicht erstrebenswert ist und mich unglücklich macht.“

Peterson: Ich habe gesagt, dass Ergebnisgleichheit nicht erstrebenswert ist. Das habe ich gesagt. Das ist ein ungeeigneter sozialer Maßstab. Ich habe nie gesagt, dass Frauen nicht nach Erfolg streben sollen – nichts dergleichen. Daran glaube ich nicht im Geringsten.

Newman: Okay, aber sie sollen sich mit all den Hindernissen rumschlagen, die schon seit Jahrhunderten in ihrem Weg stehen. Und Sie sagen, das ist vollkommen in Ordnung –

Peterson: Nein, nein. Also das finde ich nun wirklich albern.

Newman: Am Patriarchat ist also nichts falsch.

Peterson: Das ist albern. Ich finde das wirklich albern. Betrachten Sie doch mal Ihre eigene Situation. Sie sind ziemlich erfolgreich.

Newman: Ja und ich habe auch schwer dafür gekämpft.

Peterson: Ganz genau! Schön für Sie!

Newman: Es geht also darum? Um den Kampf? Alles dreht sich um den Kampf, ja?

Peterson: Das ist nun mal unvermeidlich.

Newman: Aber sie sprechen von einem Kampf zwischen Männern.

Peterson: Ist es nicht off –

Newman: Lassen Sie mich noch ein weiteres Zitat aus Ihrem Buch anführen –

Peterson: Ist es nicht offensichtlich, dass man für eine begehrte Stelle kämpfen muss?

Newman: In Ihrem Buch sprechen Sie davon, dass die Kommunikation zwischen Männern ein gewisses Potenzial für körperliche Gewalt birgt.

Peterson: Ja, daran besteht kein Zweifel.

Newman: Wie verhält es sich mit der Kommunikation zwischen Frauen? Trifft das auch auf uns zu oder sind wir dafür zu aufgeschlossen und vernünftig?

Peterson: Nein, es ist nur so, dass körperliche Gewalt gewissermaßen eine Grenze für Frauen darstellt.

Newman: Also ich habe für meine Position gekämpft.

Peterson: Dann vermute ich, dass sie als Person nicht besonders verträglich sind.

Newman: Dann ist es also so, dass … ja, verträglich bin ich nicht –

Peterson: Das ist mir in dieser Unterhaltung auch aufgefallen. Und sicher war es Ihrer Karriere behilflich.

Newman: Aber Ihrer Ansicht nach müssen Frauen die Hosen anhaben, um Erfolg zu haben, nicht? Frauen müssen gewissermaßen Männer sein, um erfolgreich zu sein. Das sagen sie doch.

Peterson: Nun, wenn man mit Männern konkurriert, dann sind männliche Eigenschaften sicher von Vorteil. In meinen Beratungssitzungen berate ich, wie bereits erwähnt, Frauen, die ihre Karriere vorantreiben möchten. Zweck dieser Sitzungen ist, ihnen beizubringen, wie man verhandelt, und sie dazu zu ermutigen, Nein zu sagen. Ich zeige ihnen auf, wie man sich nicht herumschubsen lässt und wie man sich Respekt verschafft. Wenn man erfolgreich sein möchte, muss man klug, gewissenhaft und widerstandsfähig sein.

Newman: Dann äußere ich jetzt mal eine radikale Idee: Warum nehmen männliche Führungskräfte nicht weibliche Eigenschaften an, damit Frauen eben nicht dazu gezwungen sind, für eine Lohnerhöhung ihre Ellbogen auszufahren? Es wird einfach hingenommen, dass sie für die gleiche Arbeit gleiches Geld erhalten.

Peterson: Nun, das liegt zum Teil daran, dass sich „gleiche Arbeit“ nur schwer definieren lässt.

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Lesermeinungen

  1. Von Mathematiker

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  2. Von Riva

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  3. Von Mathematiker

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    • Von Matthias Enderle

    • Von Mathematiker

    • Von Matthias Enderle

    • Von Mathematiker

  4. Von uepsilonniks

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