Jordan Peterson im Interview mit Cathy Newman zum Lohngefälle zwischen Mann und Frau, zum Aktivismus an Universitäten und zur Postmoderne

von Gastbeiträge

(3:09 – 5:50)

Newman: Sie sagen also, dass Frauen gewissermaßen in der Pflicht stehen, zur Überwindung der Männlichkeitskrise beizutragen?

Peterson: Wie ich eben sagte: Das kommt darauf an, was sie wollen … Tief im Inneren wollen Frauen Männer, die kompetent und stark sind. Und mit „stark“ meine ich nicht, gebieterisch über jemanden zu herrschen – das ist keine Stärke, sondern Unmoral. Stärke bedeutet Kompetenz. Und warum in aller Welt sollte man keinen kompetenten Partner wollen? Nun, tatsächlich weiß ich, warum: Einen kompetenten Partner kann man nicht kontrollieren.

Newman: Sie glauben also, dass Frauen Kontrolle ausüben wollen. Wollen Sie das damit sagen?

Peterson: Nein. Ich will sagen, dass sich Frauen, die in Beziehungen mit kompetenten Männern schlechte Erfahrungen gemacht haben und nun solche Beziehungen scheuen, mit einem schwachen Partner zufriedengeben, weil sie ihn kontrollieren können. Aber das ist nur eine suboptimale Lösung, mit der niemandem geholfen ist.

Newman: Glauben Sie denn, dass das viele Frauen tun?

Peterson: Ich glaube, es gibt eine bedeutende Minderheit, die das tut. Und ich glaube, dass sie sich damit keinen Gefallen tun. Sie sind sehr unglücklich, es wirkt sich schlecht auf ihre Partner aus, wobei die Partner den Vorteil genießen, keine Verantwortung für irgendetwas übernehmen zu müssen.

Newman: Aber was gibt Ihnen das Recht, das zu sagen? Vielleicht wollen diese Frauen ja diese Art Beziehung. Ich meine, Sie verallgemeinern das alles sehr stark.

Peterson: Ich bin ein klinischer Psychologe.

Newman: Okay. Also wollen Sie sagen, dass Ihre Forschung zu dem Schluss kommt, dass Frauen unglücklich damit sind, Männer zu dominieren?

Peterson: Ich habe nicht gesagt, dass sie damit unglücklich wären, Männer zu dominieren. Ich habe gesagt, dass es langfristig nichts löst.

Newman: Okay, aber Sie sagten, sie würden sich damit keinen Gefallen tun.

Peterson: Und so ist es auch. Es kommt letztlich auf die Zeitspanne an. Vorübergehende Dominanz kann enorme Befriedigung verschaffen. Das ist der Grund, weshalb so viele Menschen tagtäglich Dominanz ausüben. Aber sie ist nicht zielführend für eine langfristige und gelungene Beziehung. Denn dafür braucht es Gegenseitigkeit, nicht? Jede langfristig erfolgreiche Beziehung beruht schon per Definition auf Gegenseitigkeit.

Newman: Lassen Sie mich etwas aus Ihrem Buch anführen. Darin sagen Sie, dass Universitäten ganze Lehrfächer unterrichten würden, die offenkundig männerfeindlich sind. Sie sagen, es handle sich um die Studiengebiete, die von der postmodernen, neomarxistischen Behauptung bestimmt würden, nach der insbesondere die westliche Kultur eine Struktur der Tyrannei sei, die von weißen Männern geschaffen wurde, um Frauen zu unterdrücken und auszugrenzen.“

Peterson: Und Minderheiten nicht zu vergessen.

Newman: Okay. Aber was sagen Sie dazu, dass beispielsweise hier im Vereinigten Königreich das geschlechtsspezifische Lohngefälle knapp mehr als 9 % beträgt? Jüngste Berichte von Mitarbeiterinnen der BBC besagen, dass der Sender ihnen illegalerweise für die gleiche Arbeit weniger zahlt als Männern. Und lediglich sieben der 100 wertvollsten FTSE-Unternehmen werden von Frauen geleitet. Es scheint also, als würden viele Frauen noch immer unterdrückt und ausgegrenzt, um es mit Ihren Worten zu sagen.

Peterson: Ja, das erweckt tatsächlich den Anschein. Allerdings deuten multivariate Analysen zu diesem Lohngefälle darauf hin, dass es so gar nicht existiert.

Newman: Aber das stimmt doch gar nicht.

Peterson: Und ob das stimmt.

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Lesermeinungen

  1. Von Mathematiker

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  2. Von Riva

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  3. Von Mathematiker

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    • Von Matthias Enderle

    • Von Mathematiker

    • Von Matthias Enderle

    • Von Mathematiker

  4. Von uepsilonniks

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