Jordan Peterson im Interview mit Cathy Newman zum Lohngefälle zwischen Mann und Frau, zum Aktivismus an Universitäten und zur Postmoderne

von Gastbeiträge

(11:50 – 14:50)

Newman: Das stimmt doch aber nicht. Warum sonst befinden sich unter den Geschäftsführern der 100 wertvollsten FTSE-Unternehmen gerade einmal sieben Frauen? Warum gibt es immer noch ein Lohngefälle –

Peterson: Also diese Frage lässt sich leicht beantworten.

Newman: Warum wird Mitarbeiterinnen des BBC illegalerweise für die gleiche Arbeit weniger gezahlt als Männern? Was hat das mit Fairness zu tun?

Peterson: Gehen wir doch erstmal zurück zur ersten Frage. Die anderen beiden sind etwas komplizierter … Also, die sieben Frauen – wiederholen Sie das nochmal.

Newman: Von den Führungspersonen der 100 erfolgreichsten FTSE-Unternehmen im Vereinigten Königreich sind gerade einmal 7 Frauen.

Peterson: Nun, man könnte sich erstmal die Frage stellen, warum man eine Führungsperson sein wollen würde.

Newman: Naja, warum sollte ein Mann so etwas wollen? Weil es vermutlich ein lukrativer und interessanter Job ist.

Peterson: Es gibt eine gewisse Anzahl an Männern, wenn auch nicht so viele, die vollkommen dazu bereit sind, nahezu ihr ganzes Leben für eine glanzvolle Karriere zu opfern. Dabei handelt es sich um Männer, die überaus intelligent, gewissenhaft, ehrgeizig, energisch und gesund sind. Das sind Männer, die bereit sind, pausenlos 70 – 80 Stunden in der Woche an einer Sache zu arbeiten, um bis an die Spitze zu kommen.

Newman: Sie sagen also, dass Frauen nicht so hartnäckig sind und dass sie von einem so hohen Arbeitsaufwand abgeschreckt sind?

Peterson: Ja, das ist einer der Gründe.

Newman: Ihrer Meinung nach gibt es also keine Hindernisse, die Frauen davon abhalten, bis an die Spitze zu gelangen?

Peterson: Natürlich gibt es Hindernisse: Männer zum Beispiel. An die Spitze einer Organisation zu gelangen, ist nun mal ein von Konkurrenz geprägtes Unterfangen. Und die Männer in der Konkurrenz werden nicht einfach die Flinte ins Korn werfen und wiederum ihrer Konkurrenz den Vortritt lassen. Das ist ein einziges Haifischbecken.

Newman: Dann komme ich jetzt auf meine Frage zurück: Ist die Gleichberechtigung der Geschlechter nur ein Hirngespinst?

Peterson: Ich weiß nicht, wie ich diese Frage verstehen soll. Männer und Frauen sind nicht gleich und das werden sie auch nie sein, was jedoch nicht bedeutet, dass sie nicht gerecht behandelt werden sollten.

Newman: Ist eine Gleichberechtigung der Geschlechter erstrebenswert?

Peterson: Wenn Sie auf Ergebnisgleichheit – equality of outcome – hinauswollen, dann halte ich dies ganz bestimmt nicht für erstrebenswert. Die skandinavischen Länder sind das beste Beispiel dafür, denn in Skandinavien –

Newman: Was meinen Sie, wenn Sie sagen, Ergebnisgleichheit wäre nicht erstrebenswert?

Peterson: Männer und Frauen werden nicht die gleichen Lebensentwürfe wählen, wenn man ihnen die freie Entscheidung überlässt. Das konnte ich bereits in Skandinavien beobachten. Dort beträgt die Verteilung von Frauen zu Männern im Pflegesektor 20 zu 1 – ungefähr, vielleicht ist es auch nicht ganz so extrem. Und in technischen Berufsfeldern sieht man eine ähnliche Verteilung, nur in umgekehrter Konstellation. Und diese Verteilung resultiert aus der freien Berufswahl in jenen Ländern, die in Hinsicht auf die gesetzliche Durchsetzung der Geschlechtergleichstellung weiter gegangen sind als alle anderen Länder. Hierbei handelt es sich um unveränderliche Unterschiede, die man allenfalls mit enormem sozialem Druck und Tyrannei beseitigen kann. Aber wenn man Männern und Frauen die Freiheit gibt, selbst zu entscheiden, wird es keine Ergebnisgleichheit geben.

Newman: Okay. Sie sagen also, dass alle, die an Gleichheit glauben – ob es sich nun um Feministen handelt oder sonst eine Gruppe – einfach aufgeben sollen, da es sowieso nie zur Gleichheit kommen wird?

Peterson: Nur, wenn ihr Ziel Ergebnisgleichheit ist.

Newman: Sie sagen also, es wäre gut, wenn die Menschen Chancengleichheit erhalten würden?

Peterson: Das wäre nicht nur gut, sondern sehr erstrebenswert für alle – für Individuen sowie die Gesellschaft.

Newman: Aber Frauen gehen trotzdem leer aus. Das bedeutet es doch letztendlich.

Peterson: Das kommt auf die Messmethode an. In der Medizin sind sie erfolgreich. Genau genommen gibt es sogar mehr Ärztinnen als Ärzte. Und es gibt viele weitere Fachrichtungen, in denen sich überwiegend Frauen wiederfinden.

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Lesermeinungen

  1. Von Mathematiker

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  2. Von Riva

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  3. Von Mathematiker

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    • Von Matthias Enderle

    • Von Mathematiker

    • Von Matthias Enderle

    • Von Mathematiker

  4. Von uepsilonniks

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