Jordan Peterson im Interview mit Cathy Newman zum Lohngefälle zwischen Mann und Frau, zum Aktivismus an Universitäten und zur Postmoderne

von Gastbeiträge

(17:50 – 21:00)

Newman: Und der Grund dafür ist wiederum der, dass unsere Industriezweige und Gesellschaften noch immer von Männern dominiert werden, die die Regeln bisher vorgegeben haben. Und dadurch werden Frauen überhaupt erst dazu gezwungen, zu kämpfen.

Peterson: Nein, das stimmt nicht.

Newman: Beweisen Sie es.

Peterson: Ich kann Ihnen sofort ein Beispiel geben: In Kanada habe ich 15 Jahre lang mit Frauen aus renommierten Anwaltskanzleien zusammengearbeitet und dabei handelte es sich um Frauen, die hinsichtlich Kompetenz und Durchhaltevermögen ihresgleichen suchten. Meine Aufgabe war es, ihnen dabei helfen, ihre Karriere voranzutreiben. Und in dieser Zeit herrschte in Kanada ein breiter gesellschaftlicher Diskurs, bei dem es gewissermaßen auch darum ging, was Sie gesagt haben: Wenn die Kanzleien sich nicht an diesen männlichen Kriterien orientieren würden, dann hätten Frauen bessere Chancen. Aber es ist nun mal so, dass der Markt die Spielregeln festlegt.

Newman: Und der Markt wird von Männern dominiert.

Peterson: Nein, wird er nicht. Der Markt wird von Frauen dominiert. 80 % der Verbraucherentscheidungen werden von Frauen getroffen.

Newman: Sie sprechen von den Menschen, die zuhause bleiben, auf die Kinder aufpassen und den Einkauf erledigen. Im Großen und Ganzen handelt es sich dabei zwar immer noch um Frauen, aber die Umstände ändern sich allmählich.

Peterson: Also … Der Markt wird von Frauen gestaltet und nicht von Männern. Und als Anwalt –

Newman: Und dennoch kosten die gleichen Produkte abhängig davon, an welches Geschlecht sie sich richten, unterschiedlich viel. Es ist bewiesen worden, dass man zum Beispiel für einen blauen Fahrradhelm weniger bezahlt als für einen pinken. Aber egal, wir kommen später nochmal darauf zurück –

Peterson: Das liegt zum Teil daran, dass Männer nicht so verträglich sind.

Newman: *lacht*

Peterson: Es ist so. Männer würden sich das nicht gefallen lassen.

Newman: Beantworten Sie mir folgende Frage: Solche „weiblichen Eigenschaften“, wie Sie sagen – meiner Meinung nach ist das eine Verallgemeinerung, aber sie sprachen von „weiblichen Eigenschaften“ … Sind solche Eigenschaften für die Führungsebene von Unternehmen nicht wünschenswert?

Peterson: Diese Eigenschaften prognostizieren keinen Erfolg in der Arbeitswelt. Intelligenz und Gewissenhaftigkeit schon. Verträglichkeit führt hingegen zum Gegenteil.

Newman: Wollen Sie damit sagen, dass Frauen nicht intelligent genug sind, um Unternehmen zu leiten?

Peterson: Nein, das sage ich ganz und gar nicht.

Newman: Sie haben gesagt, dass weibliche Eigenschaften keinen Erfolg prognostizieren würden.

Peterson: Aber ich habe nicht gesagt, dass Intelligenz und Gewissenhaftigkeit keine weiblichen Eigenschaften sind.

Newman: Aber Ihre Aussage impliziert, dass Intelligenz und Gewissenhaftigkeit keine weiblichen Eigenschaften sind.

Peterson: Nein, keineswegs.

Newman: Sind Frauen weniger intelligent als Männer?

Peterson: Nein, sind sie nicht. Die Wissenschaft ist in dieser Hinsicht sehr eindeutig. Die durchschnittlichen IQs beider Geschlechter sind identisch. Es herrscht zwar Uneinigkeit über den Kurvenverlauf der Verteilung, worauf zum Beispiel auch James Damor in seinem Memo hinwies, aber hinsichtlich allgemeiner kognitiver Leistungsfähigkeit bestehen keine Unterschiede. Auch im Hinblick auf Gewissenhaftigkeit gibt es keine nennenswerten Unterschiede. Frauen sind nur etwas geordneter als Männer und Männer sind wiederum etwas strebsamer als Frauen. Aber diese Unterschiede sind nicht besonders groß.

Newman: Aber um zur Frage zurückzukehren: Warum sind weibliche Eigenschaften für Führungspositionen nicht erstrebenswert?

Peterson: Das lässt sich nur schwer sagen. Ich erläutere nur die empirischen Belege, die die Eigenschaften benennen, die Erfolg prognostizieren.

Newman: Es ist aber auch ein Fakt, dass Unternehmen im Verlauf der letzten Jahrhunderte eben nicht zum Großteil von Frauen geführt wurden, und deshalb keiner sagen kann, ob es nicht auch auf andere Weise funktionieren könnte. Das muss man herausfinden.

Peterson: Richtig. Und es ist durchaus möglich, dass Unternehmen auch dann erfolgreich sind, wenn sie ihr Handeln von weiblichen Eigenschaften bestimmen lassen würden. Aber dafür gibt es nun mal keine Belege.

Newman: Sie scheinen daran zu zweifeln, dass das möglich ist.

Peterson: Ich habe weder Zweifel noch pflichte ich der Idee bei. Es liegen schlicht und ergreifend keine Belege für diese These vor.

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Lesermeinungen

  1. Von Mathematiker

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  2. Von Riva

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  3. Von Mathematiker

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    • Von Matthias Enderle

    • Von Mathematiker

    • Von Matthias Enderle

    • Von Mathematiker

  4. Von uepsilonniks

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