Zweiter Bericht zur Situation von Jungen und Männern in Deutschland 2012

von MANNdat

2. Gesundheit

Die Politik entzieht sich immer noch weitgehend ihrer Pflicht zur Befassung mit Themen der Männergesundheit. Positive Ausnahmen bildeten bislang nur die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit einem im Jahr 2009 veröffentlichen Informationsband [1] zur Gesundheit von Jungen und Männern, das Bezirksamts Berlin-Lichtenberg mit seinem Männergesundheitsbericht 2011 und das Land Schleswig-Holstein mit seinem Männergesundheitsbericht 2010 [2].

Derweil versuchen vor allem zivilgesellschaftliche Initiativen, die Lücke zumindest teilweise zu füllen. So führte die DKV [3] eine Analyse von 176.000 Sätzen ihrer Abrechnungsdaten durch und wertete sie in Hinblick auf Belange der Männergesundheit aus. Seit dem Jahr 2001 existiert die Stiftung Männergesundheit [4], welche sich seit eben jenem Jahr um die Etablierung einer amtlichen Männergesundheitsberichterstattung bemüht. Bezeichnend ist, was diese Initiative in der Pressemitteilung [5] zu ihrem im Oktober 2010 vorgelegten Bericht ausführte:

Der Männergesundheitsbericht [Anm.: der DKV] stellt fest, dass Männer das weitgehend vernachlässigte Geschlecht sind: Allzu lange waren Wissenschaft, Politik und Krankenkassen zögerlich, männliche Gesundheitsprobleme zu akzeptieren und zielgerichtet zu beheben. So fehlte bisher auch ein Männergesundheitsbericht, während ein Frauengesundheitsbericht bereits seit 2001 vorliegt … „Hier wird der Männergesundheitsbericht den gesundheitlichen Belangen der Männer nicht nur zu medizinischer, sondern vor allem zu gesellschaftlicher Aufmerksamkeit verhelfen“, hofft Professor Doris Bardehle von der Stiftung Männergesundheit. Mitherausgeber Dr. Matthias Stiehler von der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V. verweist auf die Ergebnisse des Berichts, die im öffentlichen Bewusstsein als männerspezifisches Problem kaum wahrgenommen werden: „Es wird deutlich, dass Männer keine Gesundheitsidioten sind, als die sie immer wieder dargestellt werden. Es ist vielmehr die gesellschaftliche Sicht auf Männer, die sich ändern muss, und daran müssen die Männer natürlich selbst mitarbeiten.“ Folgende Problemfelder der männlichen Gesundheit werden übereinstimmend identifiziert:

  • Adipositas
  • Alkoholismus
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbes. Infarkte
  • psychische Erkrankungen, vor allem Burn-out u. Depressionen
  • tabakbedingte Gesundheitsstörungen
  • Zuckerkrankheit
  • generell Fehldiagnosen und Fehltherapien

Nun hat die Bundespolitik sich endlich doch dem Thema Männergesundheit in systematischer Form angenommen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung richtete im Februar 2012 das Männergesundheitsportal [6] ein. Dieses enthält zu einer ganzen Reihe von Lebenslagen relevante Gesundheitsinformationen, die an Männern ausgerichtet und für Männer aufbereitet sind.

Auch MANNdat leistet seinen Beitrag. Die nachfolgende Auswertung beschränkt sich auf den zentralen Ergebnisindikator aller gesundheitlichen Bemühungen: die Lebenserwartung. Männer haben in Deutschland eine mehr als fünf Jahre kürzere Lebenserwartung als Frauen. An den in den Sterbetafeln ausgewiesenen Daten zur Lebenserwartung hat sich von 2006/08 auf 2007/09 so gut wie nichts geändert. Männer werden nach wie vor im Durchschnitt nur in etwa 77 Jahre alt gegenüber ca. 82 Jahre bei Frauen. Marginale Angleichungen der Lebensspannen gab es im Saarland und in Thüringen.

Die unterschiedlichen Lebenserwartungen der Geschlechter deuten nicht nur auf strukturelle gesundheitliche und stressbedingte Benachteiligungen im Leben hin. Es bedeutet nicht zuletzt auch, dass die Renten- und Krankenversicherungssysteme Männer systematisch benachteiligen. Denn Männer haben bei gleichem Erwerbseinkommen die gleichen Rentenversicherungsbeiträge zu leisten wie Frauen, ohne von einer gleich langen Rentenphase profitieren zu können.

Quelle: Statistisches Amt des Bundes und der Länder

Quelle: Statistisches Amt des Bundes und der Länder

Genderindex Gesundheit im Bild

Was sagt die Politik zur Schieflage bei der Gesundheit?

Die rot-grüne Regierung hat… gehandelt. Im Gesundheitsministerium wurde eine Abteilung „Frauen und Gesundheit“ eingerichtet, Vorhaben mit frauenspezifischer Relevanz werden gefördert. Das Spektrum reicht von Projekten, welche die koronaren Herzkrankheiten zum Gegenstand hatten, bis hin zum „Bericht zur gesundheitlichen Situation von Frauen in Deutschland.

CDU und CSU fordern deshalb (Zitate aus WHC-newsletter Nr. 03/2002):

Die Anwendung des Gender-Mainstreaming-Ansatzes in allen Bereichen des Gesundheitswesens. Alle Maßnahmen sollen da hingehend geprüft werden, wie sie sich auf Frauen auswirken und ob sie den Bedürfnissen von Frauen gerecht werden.

Eine konkrete Gesundheitspolitik für Frauen, welche die Lebenswelt und die persönliche Geschichte von Frauen einbezieht.

Eine Intensivierung der Gesundheitserziehung von Mädchen und jungen Frauen sowie den Ausbau der präventiven Maßnahmen.

Mehr frauenspezifische Gesundheitsaufklärung verbunden mit dem Ziel, mehr Frauen für die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen zu gewinnen.

Aus dem Koalitionsvertrag der rot-grünen Koalition in NRW (2003):

Frauengerechte Gesundheitsversorgung

Wir stellen uns der Erkenntnis, dass Frauen und Männer unterschiedlich krank sind …. Zur Unterstützung dieser Ziele werden wir die Koordinationsstelle Frauen und Gesundheit NRW und die Landesfachstelle Frauen und Sucht NRW wieder einrichten.

Im Jahr 2012 aber auch: Einrichtung des Männergesundheitsportals

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