Zweiter Bericht zur Situation von Jungen und Männern in Deutschland 2012

von MANNdat

3. Bildungschancen – Hochschulreife

Bildung ist nicht nur eine der wichtigsten Rahmenbedingungen für die Zukunftsperspektiven junger Menschen, sondern auch ein essentieller volkswirtschaftlicher Faktor für den Hochtechnologiestandort Deutschland. Daher muss die Glaubwürdigkeit von Geschlechterpolitik vor allem auch daran gemessen werden, inwieweit sie für eine chancengleiche Bildung auch für Jungen sorgt. Als Indikator hat MANNdat die prozentuale Differenz der männlichen zu den weiblichen Schulabsolventen gewählt, die die allgemeine Hochschulreife erlangen

Im Jahr 2008 blieb der Anteil der Jungen, der die allgemeine Hochschulreife erlangte, um 21,6 % hinter dem entsprechenden Anteil der Mädchen zurück. Binnen Jahresfrist hat sich hier auf der Ebene von Gesamtdeutschland eine geringfügige Verbesserung ergeben. 2009 betrug diese Differenz immerhin noch 20,6 %. Auf Länderebene ist für Hessen, Niedersachsen und Thüringen eine Verschlechterung, für Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen jedoch eine Verbesserung zu verzeichnen.

Die Ursachen für das geschlechterspezifische Bildungsgefälle zu Ungunsten der Jungen sind bis heute noch nicht abschließend untersucht worden. Einige Ursachen sind jedoch schon lange bekannt. Eine wichtige Rolle spielt, dass Mädchen seit 30 Jahren gezielt gefördert und gestärkt, Jungen dagegen sanktioniert und ausgegrenzt werden. Die Ausrichtung der Pädagogik auf Mädchen als alleinige Zielgruppe ist nicht ohne Folgen geblieben.

Deutliche Auswirkungen hat dies z. B. im Bereich der Lesekompetenz. Der eklatante geschlechterspezifische Unterschied zu Ungunsten der Jungen stellt sich in Folge der unzureichenden Berücksichtigung jungenaffiner Thematiken beim Lesestoff und des damit einhergehenden Motivationsmangels, zu lesen, ein. Dieser Zusammenhang ist seit der ersten PISA-Studie vor zwölf Jahren bekannt. Effektiv geändert hat man dies bislang nicht.

Die frauen- und mädchenzentrierte Ausrichtung des Bildungswesens wird aber auch anhand der Bildungsstatistiken von Bund und Ländern deutlich. Dort werden geschlechterspezifisch ausschließlich Mädchen und Frauen, nicht jedoch Jungen und Männer betrachtet.

Jungen entwickeln sich außerdem in Bezug auf Sprachfähigkeit und Motorik tendenziell langsamer als Mädchen, was ihnen einen Nachteil beim Start in die Schullaufbahn beschert. Hier müssten Kinder mit Entwicklungsdefiziten – Jungen wie Mädchen – gezielter in die Frühförderung integriert werden.

Zudem gibt es auch unmittelbare Diskriminierung von Jungen. So belegt die im Jahr 2011 vorgelegte Vodafone-Studie [9] gar Diskriminierung bei der Notengebung, welche nicht nur, wie seit Jahrzehnten im Bildungsdiskurs thematisiert, schichtenspezifisch, sondern durchaus auch geschlechtsspezifisch ist:

Die Befunde der vorliegenden Expertise konnten zeigen, dass Leistungsbewertung in Form von Schulnoten nicht ausschließlich leistungsrelevanten Kriterien folgt. Vielmehr zeigten sich auch Einflüsse leistungsfremder Merkmale. […] Geschlechterunterschiede zeigten sich zu Gunsten der Mädchen, die bei gleichen Leistungen in standardisierten Leistungstests bessere Noten erhielten als die Jungen.

Quelle: Regionalstatistik des Statistischen Amts des Bundes und der Länder

Quelle: Regionalstatistik des Statistischen Amts des Bundes und der Länder

Genderindex Bildungschancen im Bild

Was sagt die Politik zur Schieflage bei der Bildung?

These der Jungen als Bildungsverlierer trifft nicht zu.

Zitat aus ZWD-MAGAZIN FRAUEN.GESELLSCHAFT UND POLITIK NR. 274 (2010) Die Gesellschaft Chancengleichheit e.V. ist 1987 von maßgeblichen Persönlichkeiten aus den Bereichen der Bildungs- und Wissenschaftspolitik sowie der Frauenpolitik gegründet worden.

Die Jungen als Gruppe sind insgesamt keine Bildungsverlierer.

Zitat von Anne Jenter, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), im Interview mit der Deutschen Welle mit Anne Jenter, vom 28.03.2011.

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